Schwarzbeerkuchen

Hölberla-Kung, Blaubeer-, Heidelbeerkuchen
Saisonale Spezialität

Der Lebensraum der Schwarzbeere, Heidelbeere oder Blaubeere sind lichte, artenarme Nadelwälder mit nährstoffarmen, sauren, lockeren, steinigen oder sandigen Lehmböden. Auch auf Moor- oder Bergheiden gedeiht sie gut. In Oberfranken trifft man sie auf einigen Lagen des Steigerwaldes und vor allem im Frankenwald und im Fichtelgebirge an.

Schwarzbeeren setzen zwischen Mai und Juni verhältnismäßig unscheinbare, glockige, rötliche Blüten an, die von Hummeln, Sandbienen und verschiedenen Mauerbienen-Arten gerne aufgesucht und bestäubt werden. Im Juli und August tragen die Stauden dann kleine blauschwarze, saftige Beeren, die von einer weißlichen Reifschicht überzogen sind. Auch wenn ihre Ernte mit der Hand zeitaufwändig und mühsam ist, gehören Schwarzbeeren doch zu den begehrtesten und wohlschmeckendsten Wildobstsorten. Im Frankenwald und im Fichtelgebirge war das Sammeln und der Verkauf von Schwarzbeeren in früheren Zeiten eine wichtige Einkommensquelle vieler Familien. Vor allem Frauen und Kinder stiegen daher mit Kannen und anderen Gefäßen bewaffnet in die Wälder, um die köstlichen Beeren zu ernten. Auch wenn sich darin für viele Bewohner der Waldregionen sicherlich das eher karge Alltagsleben spiegelt, gehörte die Schwarzbeerernte doch zu den abwechslungsreicheren Erlebnisstagen, an die man sich später gerne erinnerte.

Natürlich kennt auch die regionale Küche der oberfränkischen Waldregionen zahlreiche Schwarzbeer-Rezepte, angefangen beim Schwarzbeer-Eierkuchen bis zum Kleintettauer-Kirmeskuchen, die wir Ihnen nicht vorenthalten wollen. Überaus wohlschmeckend und zudem leicht zuzubereiten, lohnen sie allemal das beschwerliche Sammeln.

Schwarzbeeren gehören aber nicht nur zu den begehrten Raritäten der regionalen Küche. Insbesondere in den höheren Lagen des Fichtelgebirges bilden große Schwarzbeerbestände zudem den Lebensraum für das vom Aussterben bedrohten Auerhuhn, das hier noch in streng geschützten Beständen vorkommt. Auerhühner ernähren sich das ganze Jahr über von Blättern, Blüten und Beeren der Schwarzbeeren, die ihnen darüber hinaus Deckung vor Fuchs, Marder und Habicht bieten. Um diese einzigartige Population der Auerhühner in Oberfranken zu erhalten, ist es wichtig, zum Schutz ihrer Lebensräume beizutragen. Der Landschaftspflegeverband Naturpark Fichtelgebirge und der Landesbund für Vogelschutz gehen daher seit einiger Zeit gezielt auf Waldbesitzer und Freizeitsuchende zu, um sie über die Bedürfnisse und Lebensgewohnheiten der seltenen Auerhühner aufzuklären. Ziel ist es einmal, möglichst große, zusammenhängende Bestände an Schwarzbeerstauden zu erhalten oder neu zu schaffen sowie Verbindungskorridore zwischen einzelnen Vorkommen herzustellen und somit die Aufenthalts- und Rückzugsgebiete der scheuen Tiere zu vergrößern.

Inzwischen klären etwa an Wanderparkplätzen Informationstafeln über die Schutzbedürfnisse der seltenen Wildhühner auf. Wer Auerhühner beobachten oder sogar einmal das spektakuläre Schauspiel der Auerhahn-Balz erleben möchte, kann an geführten Wanderungen teilnehmen, die von der Naturparkverwaltung organisiert werden. Über die Naturparkverwaltung Fichtelgebirge sowie über die von den Bayerischen Landschaftspflegeverbänden betriebene Kampagne “Bayerns Ur-Einwohner” werden zudem interessante Broschüren zu den Auerhuhn- und Schwarzbeervorkommen in der Region publiziert.

Aufbewahrung / Haltbarkeit:

Schwarzbeeren ziehen, wenn sie frisch gepflückt sind, viel Saft. Wenn man sie einige Tage im Kühlschrank aufbewahren will, sollte man sie zuckern, damit sie keinen Schimmel ansetzen.
Im frischen Zustand ist ihre Haltbarkeit jedoch begrenzt. Als Belag zu Kuchen lassen sie sich – wenn dies überhaupt nötig ist – ein paar Tage aufbewahren. Man kann frisch gebackene Kuchen aber auch problemlos einfrieren.

Jahreskalender:

Sie können die Spezialität im Sommer genießen.

Literatur:

Kerstin Rentsch, Mit Leib und Seele, Kochen und Backen im Oberen Frankenwald, Tettau 2010, (S. 184 – 185.)
Deutscher Verband für Landschaftspflege e.V., Bayerns Ureinwohner 2009, Eine Pflegeanleitung (Das Auerhuhn), Ansbach 2009.
Naturpark Fichtelgebirge e.V., Bearbeiterin: Daniela Krauß, Das Fichtelgebirge rund ums Jahr erleben, natürlich…, Zwölf blühende Monate im Fichtelgebirge erleben (August: die Schwarzbeere), Naturpark Fichtelgebirge, Jean-Paul-Straße 9, 95632 Wunsiedel.

Autoren:

Genussregion Oberfranken, Foto Martin Bursch; Textbearbeitung Uta Hengelhaupt

Rezept

Schwarzbeer – Eierkuchen

Zutaten:

100 g Mehl, 1 Ei, 1/4 l Milch, 10 g Puderzucker, 1 Prise Salz, 500 g Heidelbeeren, Zucker, Öl oder Butterschmalz zum Backen.

Zubereitung:

Aus den Zutaten einen Eierkuchenteig herstellen, Fett in einer Pfanne erhitzen und den Teig dünn einfießen lassen. Sofort Heidelbeeren darüber streuen und so lange bei niedriger Hitze backen lassen, bis die Masse an der Oberfläche fest wird. Zum Servieren mit Zucker bestreuen.

Schwarzbeerkuchen

Zutaten:

Für den Teig: 200 g Mehl, 75 g Zucker, 3 Eier, 1/2 Würfel Hefe, 50 g Butter, 100 ml Milch.
Für den Belag: 2 – 3 El Semmelbrösel, 300 g Schwarzbeeren; für den Guß 2 Eier, 200 g Schmand, 1 Eigelb, 35 g Zucker, 2 Teel. Vanillezucker oder das Ausgedrückte einer Vanilleschote.

Zubereitung:

Einen Hefeteig herstellen und 30 Min. ruhen lassen. Anschließend in eine gebutterte Springform drücken und nochmals 15 Min. ruhen lassen. Die Semmelbrösel über den Teig streuen. Die verlesenen und ev. vorsichtig gewaschenen Schwarzbeeren darüber verteilen. Die Zutaten für den Guß verrühren und über die Schwarzbeerschicht gießen. Bei 175 °C 45 – 50 Min. backen.

Kleintettauer Kirmes-Kuchen

Zutaten:

Für den Teig: 5 El flüssigen Honig, 1 Würfel Hefe, 1/2 l lauwarme Milch, 200 g Butter, 500 g Mehl, 3 Eigelb; für den Belag 1 Tüte Sahnesteif, 500 g Heidelbeeren, 1 TL gemahlenen Zimt, 150 g Zucker.

Zubereitung:

In Kleintettau wurde zur Zeit der Heidelbeer-Ernte (am 4. Sonntag im August) Kirchweih gefeiert. Daher wurden die frisch geernteten Schwarzbeeren auch gerne zu einem saftigen Kirmeskuchen verbacken.

Einen geschmeidigen Hefeteig herstellen und 30 Min. ruhen lassen. Auf einem Backblech oder in einer Tortenbodenform ausrollen und nochmals 15 Min. gehen lassen. Dann streut man Sahnesteif über den Teig, damit der Saft der Heidelbeeren den Boden nicht zu sehr durchweicht. Danach verteilt man die Beeren auf dem Teig und bäckt ihn 20 – 30 Min. bei 170 °C im Ofen. Den heißen Kuchen mit Zimt und Zucker bestreuen.

Zum Servieren frisch geschlagene Sahne reichen.

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