Brotzeit, fränkische

fränkische Brotzeitplatte, Vesper(platte), Jause, Brettljause (österr.)
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Wussten Sie, dass viele Spezialitäten bei uns ihre ganz besondere Zeit haben? Die Brotzeit isst man bei uns z. B. als Stärkung um elf Uhr oder zwischen Nachmittagskaffee und Abendessen um 17 Uhr. Tatsächlich kommt der Brauch aus alten Zeiten, als man sich bei schwerer körperlicher Arbeit zwischendurch gerne einmal stärkte. Die Brotzeit hat daher auch heute noch in erster Linie labenden Charakter nach der Arbeit, auf der Wanderung, vor großen Aufgaben. Sie enthält damit eine deutliche soziale Komponente und verbindet sich mit wohlwollender Fürsorge, ob als einladender Willkommensgruß, anerkennende Geste oder freundliche Wegzehrung. Kurz gesagt, die Brotzeit charakterisiert einen guten Teil oberfränkischer Identität.

Wer eigentlich die Brotzeit erfand, lässt sich heute nicht mehr sagen. Wie die Namengebung andeutet, handelt es sich um die Mahlzeit, die man zum Brot ist, was sie von allen anderen gekochten Mahlzeiten des Tages unterscheidet. In früheren Zeiten aß man bis zu sechs Mahlzeiten am Tag, wobei das erste Frühstück, das Mittagessen und das Nachtmahl aus gekochten Speisen, häufig einem Brei oder einer Suppe und gelegentlich auch etwas Fleisch bestand. Die Brotzeiten liegen dazwischen, also zum zweiten Frühstück, zum Nachmittagskaffee und zur Vesper.

Allerdings ist nicht festgelegt, was zu diesen verschiedenen Anlässen auf eine fränkische Brotzeitplatte gehört. Heutzutage selbstverständlich typisch sind unsere guten Hausmacher-Wurstwaren wie roter und weißer Presssack. Auch eine gute Leberwurst, ein paar Scheiben mild geräucherter Schinken und ein Stück Göttinger mit Senf, Essiggurken sowie ein paar Radieschen oder frische Zwiebeln bilden einen guten Grundstock. Ebenso passen Mettwurst, Polnische oder Pfefferbeißer, etwas G’rupfter, Ziebelaskäs oder ein Stück Limburger zu einem kräftigen Landbrot hervorragend. Schließlich findet die „Wurst mit Musik“ oder eine herzhaft mit Essig, Öl und Zwiebeln angerichtete Sülze zur Brotzeit ihre Liebhaber. Kurz gesagt – hier stehen stets großzügige Lebensfreude und urfränkische Gemütlichkeit im Mittelpunkt!

Kaum ein Wirtshaus, aber vor allem kein sommerlicher Kellerbetrieb, keine Gartenwirtschaft in Oberfranken, die nicht eine üppig belegte Brotzeitplatte auf ihrer Speisekarte anbieten. Gerade in der bierbetonten Gastronomie sind typische Hausmacher-Wurstspezialitäten als üppiger Belag fast schon Kult. Aber auch einige Heckenwirtschaften, die sich in der alten Weinbauregion am Ausgang des Bamberger Beckens etabliert haben, stehen diesen üppigen Genüssen nicht nach. Und in den Wanderregionen vom Steigerwald bis zu den Haßbergen, vom Oberen Maintal bis zum Frankenwald und vom Fichtelgebirge bis in die Fränkische Schweiz lockt eine solche Vielfalt unterschiedlichster Spezialitäten, angefangen bei der Wildsalami, über geräucherte Forellen oder würzige Karpfensülzchen bis zu feinen Kräuterbrotaufstrichen, dass man Zeit braucht, um alles gebührend zu würdigen. So fällt es schwer, dem verlockenden Angebot einer oberfränkischen Brotzeit zu widerstehen.

Wer sich die Region kulinarisch erschließen will, sollte also bei der Brotzeit anfangen.

Jahreskalender:

Sie können die Spezialität ganzjährig genießen.

Autoren:

Genussregion Oberfranken, Foto Martin Bursch; Textbearbeitung Uta Hengelhaupt,

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