Arme Ritter

Semmelschnitten, Weckschnitten, Gebackene Semmeln, Pofesen, Pain perdu, Poor Knights, Güldene Schnitten, Rostige Ritter

Arme oder rostige Ritter, gebackene Semmeln, Pofesen, Pain perdu, Poor Knights, Semmel- oder Weckschnitten sind ein im gesamten europäischen Raum bekanntes süßes Gericht, das zur Verwertung altbackener Semmeln oder Weißbrotschnitten dient. Möglicherweise liegt in dieser Zuordnung zu den traditionellen Resteessen die Wurzel für die gebräuchliche, aber mit ca. 200 Jahren nicht allzu alte Bezeichnung als “Arme Ritter”, die sich nach dem Bildsinn im Gegensatz zu ihren wohlhabenden Standesgenossen nur altbackenes Brot leisten konnten.

Wer jedoch in der Geschichte der Kulinarik etwas bewanderter ist, wird diesen Erklärungsversuch sofort verwerfen. Denn “Arme Ritter” als gebackene Semmeln wurden unter der Bezeichnung „aliter dulcia“ (= eine Süßigkeit anderer Art) schon in römischer Zeit zubereitet und wie das Kochbuch (De re coquinaria) des Marcus Gavius Apicius aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. belegt, durchaus aufwändig mit Milch und Honig gewürzt.

Auch in dem um 1350 in Würzburg verlegten “Buoch von guoter Spise”, dem ältesten deutschsprachigen Kochbuch ist das Gericht verzeichnet und verbreitete sich von dort unter der Rezeptbezeichnung “Gebackene Semmeln” in der Kochbuchliteratur der nachfolgenden Jahrhunderte. Darüber hinaus war zumal das weiße Brot, auch in etwas altbackener Form, immer noch eine köstliche Besonderheit, die man auf vielfältigste Art als Suppeneinlagen oder Nachspeisen, wie z.B. “Versoffenen Jungfrauen”, weiterverwendete. Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts taucht dann aus nicht ganz geklärtem Zusammenhang die Bezeichnung “Arme” oder auch “Rostige Ritter” auf. Möglicherweise drückt sich darin ein allgemeiner Wandel kulinarischer Gewohnheiten aus, nach dem Grundnahrungsmittel wie Brot und Semmeln zumindest in der bürgerlichen Küche täglich verfügbar wurden und damit den Reiz des Besonderen verloren. Aus der Perspektive des bürgerlichen Wohlstandes könnte man dann etwas spöttisch auf die in ihren alten Rüstungen Rost ansetzenden armen Ritter vergangener Tage zurück geblickt und sie als knusprig braun gebackene Semmelscheiben weiterhin gerne verzehrt haben.

Denn auch wenn man sie aus Sparsamkeit oder einfach zur Verwertung des übrig bleibenden Brotes zubereitet, gehören “Arme Ritter” zu den Lieblingsspeisen vieler Kinder und Erwachsener, die daher unbedingt einen Platz in der fränkischen Kulinarik behalten sollten. Wer Lust zum Experiment hat, mag das Ganze durch Gewürze, Nüsse und gekochten Kompott oder eine würzige Weinsoße à la Johann Albrecht Grunauer aufwerten, die wir gerne in unsere Rezeptsammlung aufnehmen.

Jahreskalender:

Sie können die Spezialität ganzjährig genießen.

Literatur:

Johann Albrecht Grunauer, Das vollständige und vermehrte, auf die neueste Art eingerichtete Kochbuch, Nürnberg 1733 (Reprint Würzburg 2008); (S. 338.)
http://de.wikipedia.org/wiki/Arme_Ritter

Autoren:

Genussregion Oberfranken, Foto Martin Bursch; Textbearbeitung Uta Hengelhaupt

Rezept

Zutaten:

altbackene Semmeln oder Weißbrotscheiben, 1/4 l Milch, 1 – 2 Eier, Ausbackfett, Semmelbrösel, Zimt und Zucker.

Zubereitung:

Die Semmeln der Länge nach oder auch quer in Scheiben schneiden. Eier und Milch verquirlen und die Semmelscheiben darin einweichen. Ggf. nochmals in Semmelbröseln wälzen und in Fett ausbacken. Zum Servieren mit Zucker und Zimt bestreuen. Ev. mit Apfelmus oder Zwetschgensoße servieren.

Gebackene Semmeln nach Johann Albrecht Grunauer

Zutaten:

Semmeln, Milch, Eier, Ausbackfett; Abgeriebenes einer Zitrone, Rosinen, Mandeln, Zucker und Wein

Zubereitung:

Die Rinde der Semmeln abreiben, die Semmeln in Scheiben schneiden. In einer Mischung aus Eiern und Milch einweichen, anschließend in Fett goldgelb ausbacken (siehe zu den Mengenangaben Rezept 1). Dann schichtet man die gebackenen Semmel in eine Kasserole und mischt Zucker, das Abgeriebene einer Zitrone sowie Rosinen und gehackte Mandeln darunter. Danach gießt man etwa 1/4 l Wein über die Masse, erhitzt das Ganze im Backofen und richtet die Speise mit Zucker an.

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