Gehackte Gerstensuppe

geriebene Gerstensuppe

Eigentlich ist der Name dieser Suppe irreführend. Die Gerstensuppe wird nicht aus gehackten oder geriebenen Gerstengraupen – wie man vermuten könnte – hergestellt. Es ist sogar zweifelhaft, ob die als “Gersten” bezeichneten Suppeneinlagen überhaupt jemals Gerstenmehl enthalten haben. Hauptbestandteil ist vielmehr ein sehr fester Teig aus Eiern und Weizenmehl, der auf dem Brett fein gehackt oder durch ein Reibeisen gedrückt wird. Damit erschließt sich die Herstellung der “gehackten Gerstensuppe dem Küchenkundigen als Nudel-, Spätzle- oder auch Knöpflerezeptur, wie sie im schwäbischen und alemannischen Raum bekannt ist und dort geradezu als kulinarisches Alleinstellungsprodukt gehandhabt wird.

Gehackte Gerste ist also im Grunde eine zu den Teigwaren zählende Suppeneinlage, die in allen uns vorliegenden Rezepturen aus Weizenmehl hergestellt wird. Je nach Feinheit hat sie gleichwohl bildliche Ähnlichkeit mit körnigen Graupen, was den Namen erklärt. Die gehackte Gerstensuppe ist also keine aus Graupen hergestellte Suppe, sondern eine ursprüngliche Art der Mehlspatzen- oder Mehlnudelsuppe, wie sie früher auch in Oberfranken traditionell in Stadt und Land gegessen wurde. So findet sich ein auch heute verwendbares Rezept bereits in Johann Adam Grunauers Kochbuch von 1733, das die kulinarischen Gewohnheiten Frankens sehr gut spiegelt.

Wie viele traditionelle Suppen und Suppeneinlagen wird die gehackte Gerstensuppe heutzutage nur noch selten hergestellt. Zu verführerisch bequem steht gegen die – gleichwohl geringe – Mühe der Herstellung das Überangebot küchenfertiger Instantprodukte. Dennoch hat auch dieses ursprüngliche Gericht seinen Reiz und seine kulinarische Bedeutung für alle, die auch bei Teigwaren und schlichten Suppeneinlagen Wert auf “Handgemachtes” legen.

Jahreskalender:

Sie können die Spezialität ganzjährig genießen.

Literatur:

Johann Albrecht Grunauer, Das vollständige und vermehrte, auf die neueste Art eingerichtete Kochbuch, Nürnberg 1733 (Reprint Würzburg 2008); (S. 2 – 3.)

Autoren:

Genussregion Oberfranken, Foto Martin Bursch; Textbearbeitung Uta Hengelhaupt

Rezept

Zutaten:

150 – 200 g Mehl, 2 Eier, 1 Prise Salz, ev. etwas Muskatnuss, Fleischbrühe

Zubereitung:

Die Zutaten zu einem festen, leicht krümeligen Teig verarbeiten. Nach Joh. Adam Grunauer kann man diesen Teig auf einem Reibeisen reiben. Einfacher ist es, ihn auf dem Brett in feine Streifen oder zu Nocken zu hacken. Grunauer röstet diese fein gehackten Teigwaren in etwas Butter an. Nach verschiedenen anderen Rezepturen werden sie auch direkt in die leicht köchelnde Brühe gegeben und nach kurzer Garzeit (ca. 10 Minuten) serviert.

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