Wunsiedel: Kulinarischer Spaziergang durch die Festspielstadt

Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge

Ganz besondere Eindrücke erwarten den Städtereisenden in Wunsiedel, der grünen Festspielstadt im Herzen des Fichtelgebirges.

Fast poetisch klingt die Übersetzung des heutigen Namens von “wunne” = Waldwiesenland und “sedel” = Edelsitz. Spötter allerdings behaupten, dass an diesem Adelssitz im Waldwiesenland lediglich eine Schenke und eine Schmiede bestanden hätten, als Burggraf Friedrich IV. der Siedlung 1326 das Egerer Stadtrecht verlieh. Dies privilegierte Handel und Handwerk und stattete die Bürger mit erheblichen Rechten aus. So wollte der Markgraf nach Vorbild der Bergbauregionen Böhmens auch für das aufblühende Bergwesen im Fichtelgebirge einen städtischen Mittelpunkt schaffen, um finanzkräftige Unternehmer anzuziehen.

Schon bald lassen sich unter den Berg- und Handelsherren in Wunsiedel Angehörige wohlhabender Geschlechter, wie der Hüler, Tullinger, Rauschengrüner, Schlick, Juncker, Stieber, Löbel, Gropp, u.a.m. nachweisen, die metallverarbeitende Handwerke wie Pfannschmiede, Nagelschmiede, Flaschenschmiede, Löffelschmiede, Haubenschmiede (Plattner, Harnischmacher) förderten. Das bedeutendste Gewerbe aber wurden die Blechzinner, ein Handwerk, das beinahe 200 Jahre hindurch außer in Wunsiedel nur noch in Nürnberg ausgeübt wurde. Wohlhabend und weitberühmt waren auch die Wunsiedler Fuhrleute, die das Eisen zur Stadt brachten und die fertigen Schmiedewaren in alle Himmelsrichtungen über acht markgräfliche Geleitstraßen transportierten.

Jean Pauls „kleine, aber gute, lichte Stadt“

Doch schon um die Mitte des 15. Jahrhunderts verlor die Stadt ihre Bedeutung als Zentrum der Metallverarbeitung und fand erst einen wirtschaftlichen Neuanfang, als sie im 18. Jahrhundert zum Verwaltungsmittelpunkt des Sechsämterlandes mit Sitz u.a. eines Amtshauptmannes, eines Superintendenten, eines Kastenamtmanns (Steuerbeamten), eines Berg-Commissarius, eines Stadt- und Landrichters und eines Stadt- und Kreisarztes usw. erhoben wurde. Im Milieu dieser gebildeten Beamtenfamilien erblühte in Wunsiedel ein reges geistiges und kulturelles Leben, in das 1763 der Dichter Jean Paul (Johann Paul Friedrich Richte) als Sohn des Lehrers und Organisten Johann Christian Christoph Richter und seiner Ehefrau, der Tuchmachertochter Sophia Rosina, hinein geboren wurde. Jean Paul beschreibt Wunsiedel später als „kleine, aber gute, lichte Stadt“ und spielt damit wohl auch auf diese vorherrschende Atmosphäre einer kultivierten Offenheit an. Aus den Kreisen des kulturinteressierten Bürgertums ging um 1800 die Initiative hervor, das Felsenlabyrinth der Luxburg als Bürgerpark zu erschließen und dort Theaterspiele aufzuführen. 1805 wurde das Ensemble aus Anlass des Besuchs des Preußischen Königspaares in Luisenburg umbenannt. Kein Geringerer als Johann Wolfgang von Goethe hatte bereits 1785 und ein weiteres Mal 1820 das Labyrinth besucht und darüber begeistert berichtet. Ab 1811 wurde in mehreren Etappen auch am Katharinenberg mit den Ruinen der alten Wallfahrtskirche ein bürgerlicher Landschaftspark angelegt. Heute gehören dazu ein Rotwildgehege und ein Greifvogelpark.

Die politischen Entwicklungen des beginnenden 19. Jahrhunderts Wunsiedel beeinträchtigten jedoch die wirtschaftliche Erholung Wunsiedels erheblich. Nach einem vollständigen Stadtbrand 1834 erfolgte der Wiederaufbau mit einem vereinheitlichenden Plan der Königlich Bayerischen Baukommission. In einem System breiter, gerader Straßen mit typisierten Häusern in biedermeierlichem Gepräge setzen nur einige öffentliche Bauten, wie die Stadtpfarr- und Spitalkirche oder das Rathaus, städtebauliche Dominanten. Von der vormaligen mittelalterlichen und barocken Stadt blieben nur wenige Reste, z.B. um den Spitalhof oder das Koppetentor, erhalten. Eine Besonderheit vieler Fichtelgebirgsstädte besteht in der Anlage von Scheunenreihen, die aus Brandgründen an den Stadtrand verlegt wurden. In Wunsiedel ist vor allem das Ensemble an der Steinernen Brücke hervorzuheben.

Luisenburgfestspiele seit 1914

Schon zum Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Wunsiedel vor allem durch die Luisenburgfestspiele, die ab 1914 von professionellen Ensembles bespielt wurden, zur Festspielstadt mit besonderer touristischer Ausstrahlung. Die Luisenburg ist damit die älteste Freilicht-Festspielbühne Deutschlands, die jedes Jahr mit großem Theater und hervorragenden Schauspielerensembles aufwarten kann.1984 wurde mit der Fichtelgebirgshalle ein weiterer kultureller und gesellschaftlicher Treffpunkt für Konzerte, Theater, Kabarett, Tagungen, Bälle, Ausstellungen, Kinder- und Jugendveranstaltungen errichtet. Auch das Naherholungsgebiet Katharinenberg lockt Tausende an Besuchern mit attraktiven Naturerlebnisprogrammen. Mit dem Naturpark Fichtelgebirge und dem Geopark Bayern-Böhmen wurden weitere Anziehungspunkte rund um Wunsiedel geschaffen, die den Aufenthalt in der Stadt für Gäste und Besucher immer lohnenswerter machen. Schauen Sie doch einmal vorbei: Wunsiedel ist einfach eine Stadt mit Flair!

Kulinarisches:

Auch kulinarisch hat die beschauliche Stadt Hervorragendes zu bieten:

Beginnen wir bei den Wunsiedler Metzgern. Die alteingesessenen Betriebe der Stadt wie die Metzgereien Reichel, Ruckdeschel, Schiller, Jahn und Pleiner machen sich noch die Mühe, ihr Vieh aus artgerechter Haltung in kleinen landwirtschaftlichen Betrieben auszuwählen. Und auch bei der Verarbeitung von Fleisch sowie Herstellung von Wurst- und Schinkenspezialitäten ist handwerkliches Können in höchster Qualität garantiert. Hier lässt man sich aus Überzeugung Zeit, um Gutes reifen zu lassen.

Probieren sollten Sie deshalb auf jeden Fall die Vielfalt köstlicher Schinkenspezialitäten aus Wunsiedel. Wählen dürfen Sie nach Geschmack, z.B. ein Stück “Schwarzgeräuchertes”, der Schinkenspezialität nach alt überlieferter Rezeptur. Sorgfältig gepökelt und eingelegt sowie behutsam im Schlot geräuchert, entwickelt dieser zarte Schinken eine herzhaft-würzige Rauchnote, die ideal zum kräftigen Roggenbrot passt. Ebenso beliebt sind fein aromatisierte Schinkenspezialitäten wie der “Sechsämterschinken”, eingelegt im gleichnamigen “Tropfen”, der Königin-Luise-Schinken, aromatisiert mit Rotwein und Vanille und der herzhafte Knoblauchschinken. Wunsiedels Metzger experimentieren gerne mit Gewürzen und Aromen und lassen sich immer wieder etwas Neues für ihre Kunden einfallen.

Dies zeigt sich ebenso bei der beeindruckenden Vielfalt hervorragender Bratwurstspezialitäten. Ob grobe, mittelgrobe oder feine Bratwürste, Knoblauch-, Bärlauch-, Zwiebel-, Käsebratwürste oder andere Kreationen, die Wunsiedler Metzger sind auch bei internationalen Bratwurstwettbewerben immer ganz vorne mit dabei.

Selbstverständlich bieten unsere kreativen Meisterbetriebe auch die klassische Palette oberfränkischer Koch-, Brüh- und Rohwürste mit der für das nördliche Fichtelgebirge typischen Gewürzmischung an. Lassen Sie sich doch einmal inspirieren und beraten und achten Sie vor allem auf die garantierte Regionalität!

Neben dem traditionellen Roggenlandbrot aus Natursauerteig schätzt man im Fichtelgebirge das etwas grobere “Kommissbrot”. Schon Jean Paul, der sich wie kein anderer Dichter gerne zu den kulinarischen Spezialitäten seiner Heimat äußerte, beschreibt dieses grobe Brot als eines der fränkischen Grundnahrungsmittel. Mit Butter, Wurst oder Schinken ist es einfach ein Genuss! Dazu legt man z.B. beim Brunner-Bäcker und in der Bäckerei Küspert besonderen Wert auf handwerklich traditionelle Herstellungsverfahren mit sorgfältig ausgewählten Mehlspezialitäten und anderen Rohstoffen aus der Region sowie einer langen Teigführung zur Erschließung der wertvollen Inhaltsstoffe im Getreide. Zu den weiteren Spezialitäten der Wunsiedler Bäcker gehören z.B. ein herzhaftes Zoigl-Brot mit 9% Bieranteil, Brezen, Brötchen, Kirchweihkuchen mit saftigem Belag nach alten Rezepturen, Kuchen, Torten und sagenhafte Pralinen-Kreationen.

Auch gastronomisch haben Stadt und Landkreis Wunsiedel viel zu bieten. In vielen Häusern wird Regionales und Saisonales mit viel Liebe und Leidenschaft serviert. Ob Karpfen und Forellen aus regionalen Teichen, Wild aus heimischen Revieren, Rind und Schwein vom Bauern nebenan oder einfach die klassische Brotzeit mit hausgemachten Spezialitäten – hier kommt der Gast garantiert genussvoll auf den Geschmack. So verwöhnt z.B. die Metzgerei Ruckdeschel im eigenen Gasthaus mit ursprünglich gemütlicher Einrichtung ihre Gäste gerne mit herzhaft-fränkischen Gerichten aus regionaler Erzeugung. Auch in der Gaststätte Ratsstuben wird fränkische Wirtshauskultur hochgehalten. Für Besucher der Luisenburg ist der Berggasthof Waldlust mit zünftigem Biergarten nicht nur wegen seiner günstigen Lage ein Tipp. Hier serviert ein junges Team hervorragende fränkische Schmankerl zu regionalen Bierspezialitäten. Gleichfalls nahe der Luisenburg zelebriert Teschners Restaurant mit phantastischen Menüs fränkisch-deutsche und internationale Küche zu erlesenen Weinen. Ein schöner Platz, um gemütliche Abende zu verbringen, ist schließlich die Kulturkneipe “Ewige Baustelle”. Im alten Stadtkern Wunsiedels gelegen taucht man hier tief ein in eine spannende Hausgeschichte mit regem Kulturleben. Dazu gehören auch kulinarische Kreationen à la Jean-Paul, die sich unter phantasievollen Namensschöpfungen wie Hoppelpoppel und Schnepfendreck verbergen.

Weiteres finden Sie hier: http://wunsiedel.de/tourismus/gastronomie/gasthaeuser/

Und schließlich sollten Sie es nicht versäumen, ein süffiges Bier aus einer der beiden Brauereien in Stadt und Landkreis, nämlich Hönicka Bräu und Lang-Bräu Schönbrunn, zu kosten! Die Geschichte der Familie Hönicka in Wunsiedel und Bernstein lässt sich bis ins 15. Jahrhundert zurückverfolgen. Heute gehören Hönicka Biere, wie Wunsiedler Weißbier, Hönickator Doppelbock, Landbier, Wonnesud und Luisenburg Pils zum Wunsiedler Leben wie die Luisenburg-Festspiele oder das Brunnenfest. Ebenso beachtlich ist die Palette der Bierspezialitäten aus der kleinen Brauerei Lang in Schönbrunn. Neben Schönbrunner Hell, Schönbrunner Pils, Schönbrunner Spezial, Burggraf dunkel, Benedikt XVI. (heller Bock), Weizen Hell, Weizen Dunkel, Weizen Medium, u.hu Bier (das Bier für Senioren unter hundert) und Siebensternchen Pils hat sich vor allem das prickelnde Erotik-Bier als Kassenschlager erwiesen.

Eine Besonderheit der Region, die die Nähe zur Oberpfalz verrät, ist das Zoigl-Bier. Im Begriff “Zoigl” steckt das Wort “Zeiger”, womit ein Zeichen oder Aushängeschild gemeint ist. Damit macht der Zoiglbrauer sichtbar, dass bei ihm Zoiglbier ausgeschenkt wird. Zur Zeit der alten Kommunbrauereien ging das Ausschankrecht in wöchentlichen Fristen von Haus zu Haus, und jeder durfte zum Bierausschank selbstgemachte Speisen anbieten. In nahe gelegenen Marktredwitz z.B. hängten die “Rawetzer” (= Marktredwitzer) einen Tannenzweig vor ihr jeweiliges Haus. Meistens aber weist der Zoigl-Stern den Weg zum würzigen Bier. In und um Wunsiedel sollte man die Zoigl-Zeit jedenfalls nicht verpassen!

Termine:

Natürlich versteht man es, in Wunsiedel auch wunderschöne Feste zu feiern. Ein besonderes Ereignis, an dem sich die gesamte Stadt beteiligt, ist das alljährliche Brunnenfest am Wochenende vor Johanni (24. Juni). Nach alter Tradition werden zu diesem Anlass etwa 35 Brunnen in liebevoller Handarbeit von den Bürgern der Stadt aufwendig mit farbenprächtigem Blumenschmuck, Lämpchen und Kerzen herausgeputzt und geschmückt. Bei Einbruch der Dunkelheit beginnt dann die eigentliche Zeremonie, wenn Musikanten von Brunnen zu Brunnen ziehen und ein Ständchen darbringen.

Hintergrund dieses schönen Brauchs ist die ursprüngliche Wasserknappheit im Stadtgebiet. Deswegen wurden am wasserreichen Berghang im Norden der Stadt mehrere starke Quellen in Brunnenstuben gefasst und das kostbare Nass von dort aus in hölzernen Röhren in die Stadt geleitet. In den wichtigsten Gassen der Stadt standen zunächst hölzerne und später steinerne Röhrkästen, von denen sich die Bürger morgens und abends ihr Wasser holten. Auch nach Bau einer Hochdruckwasserleitung 1899 wollten die Wunsiedler ihre Röhrkästen nicht aufgeben, und so blieben die Brunnen im Stadtgebiet erhalten!

Saison:

ganzjährig

Links:

http://wunsiedel.de/leben-in-wunsiedel/stadtportrait/historisches-wunsiedel/
http://wunsiedel.de/
http://wunsiedel.de/tourismus/brunnen/

Literatur:

http://wunsiedel.de/leben-in-wunsiedel/stadtportrait/historisches-wunsiedel/
http://wunsiedel.de/
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Baudenkmäler_in_Wunsiedel

Erlebnis

Wunsiedel: Kulinarischer Spaziergang durch die Festspielstadt

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