Weismain: Erlebnistour und Lehrpfad Kalkberg

Landkreis Lichtenfels

Eine erlebnisreiche Wanderempfehlung kommt von der Umweltstation des Landkreises Lichtenfels in Weismain. Die ca. 3 km lange Erlebnistour über den Kalkberg ist als Rundweg angelegt. Sie startet am alten Kastenhof (Kirchplatz 11), dem Sitz der Umweltstation Weismain und führt stadtauswärts entlang an alten Fledermauskellern, verwunschenen Hohlwegen, Lesesteinriegeln und Streuobstwiesen bis hinauf auf den kargen Kalkberggipfel. Informatives über die einzelnen Stationen findet sich in einem Flyer, der an der Umweltstation oder auch online unter: http://stadt-weismain.de/weismain-entdecken/rundwege-und-lehrpfade/kalkberg/ erhältlich ist.

Am Besten nimmt man sich den Flyer mit auf den Weg, denn unterwegs stehen nur wenige Hinweistafeln.

Die Umgebung von Weismain, wie das Gebiet um den Kalkberg, ist eine vom Menschen in Jahrhunderten geformte Kulturlandschaft. Wir erleben hier Landschaftselemente, die durch die Nutzung und Gestaltung des Menschen entstanden sind. Geologische und botanische Besonderheiten säumen unseren Weg. An den Gipfeln des Kalkbergs liegt eine karge, eindrucksvolle Landschaft. Kiefern und Wacholderbüsche strukturieren die offenen Kalkflächen. Unterhalb der Gipfel finden sich die Magerrasenflächen mit typischen Pflanzenarten wie dem Deutschen Enzian und der Gold-Distel.

Die Wanderung beginnt an der Umweltstation im Kastenhof (Kirchplatz 11). Hier steht auch eine große Hinweistafel mit ausführliche Beschreibungen der einzelnen Stationen. Wir möchten Ihnen zusätzlich noch ein paar Informationen und Anregungen zu dieser schönen Tour geben:

Der Weismainer Kastenhof wird 1479 zum ersten Mal erwähnt. 1701 bis 1703 wurde das Gebäude unter Fürstbischof Lothar Franz von Schönborn durch Leonhard Dientzenhofer neu errichtet. Der Kastenhof war Amtssitz des Bamberger Kastners, der als Steuereinnehmer die Lichtenfelser Güter des Bistums Bamberg verwaltete. Zeitweilig diente der Hof den Bischöfen auch als Unterkunft, wenn sie sich zur Jagd in Weismain aufhielten. Heute haben u.a. die Umweltstation des Landkreises Lichtenfels, die Tourist Information und das NordJURA-Museum ihren Sitz in dem repräsentativen Gebäude. Einen Besuch des Museums vor oder nach Ihrer Tour möchten wir ausdrücklich empfehlen.

Der Wanderweg führt über den Stadtgraben und vorbei an der Kreuzkapelle stadtauswärts durch ein Hohlwegsystem. Hohlwege sind kulturgeschichtlich und archäologisch bedeutsame Zeugen der Landschaftsgeschichte. Entstanden sind sie durch jahrhundertelange Nutzung durch Fuhrwerke und Vieh sowie durch abfließendes Regenwasser, wodurch sich ein tiefer Geländeeinschnitt im unbefestigten Boden ergeben hat. Für landwirtschaftliche Gebiete und Wälder sind Hohlwege oft eine ökologische Bereicherung. An ihren aufsteigenden Flanken können sich Stauden und Gehölze wie Knoblauchrauke, Goldnessel, Schöllkraut, Wilde Stachelbeere und Rote Heckenkirsche ansiedeln, die vielen Kleintieren als Unterschlupf und Nahrung dienen.

Abends und Nachts locken Hohlwege Fledermäuse an, die hier Jagd auf Nachtfalter und andere Insekten machen. Deshalb wurden die alten Felsenkeller in den unteren Abschnitten der Hohlwege vom Naturpark Fränkische Schweiz / Veldensteiner Forst als Winterquartiere für Fledermäuse ausgewiesen. Die bedrohten Tiere benötigen zum Überwintern frostfreie Quartiere in einer Tiefe von mindestens sechs Metern. Weitere Informationen über die Fledermausarten können bei Ulrich Völker, Loffeld 1, 96231 Bad Staffelstein, erfragt werden. Ursprünglich wurden die Keller im 19. Jahrhundert wie überall in Franken zur Lagerung von Kartoffeln und anderen Feldfrüchten angelegt. Aus diesem Grund grub man sie tief in den verhältnismäßig weichen Eisensandstein, um eine frostfreie, aber ganzjährig kühle Lagerung zu erreichen. Der ausgehobene Sand diente früher übrigens als Putz- und Scheuersand. Ebenso wurden die festgestampften Lehmfußböden in den Häusern mit diesem sog. “Stubensand” ausgestreut.

Am Ortsrand sowie oberhalb der Keller auf der Verebnungsfläche finden sich einzelne Streuobstbestände mit Apfel, Birne, Zwetschge und Walnuss. Auch diese schönen Bestände zeigen uns, wie umfangreich Lebensmittel früher in der eigenen Region erzeugt wurden. Typisch ist die traditionelle Nutzung hochstämmiger Obstbäume, unter denen in Frühjahr und Sommer geackert werden konnte. Wenn Obst und Nüsse heranreiften, waren die Felder bereits abgeerntet. Erst später ging man zur extensiven Nutzung durch Wiesen über.

In Richtung auf den Wald finden wir Lesesteinriegel und Trockenmauern, die die frühere Nutzung als Ackerflächen belegen. Um die Bebauung der Felder zu erleichtern und die Geräte zu schonen, wurden die größeren Steine von den Äckern gesammelt und am Rand aufgeschichtet. Gleichzeitig entstanden Schutz- und Stützmauern, die Lebensraum für Amphibien, unzählige Insekten und andere Tiere bilden. So sind sie eine “Villa” für das Mauswiesel, das auf ganz natürliche Art zur Schädlingsbekämpfung beiträgt. Als seltene Pflanzenarten finden wir hier das Zarte Zirbelkraut, die Echte Nelkenwurz und das Pfaffenhütchen.

Die gut sichtbaren Terrassen des ansteigenden Mischwaldes waren einst so genannte “Handtuchäcker”. Es ist davon auszugehen, dass diese ursprüngliche Steinriegel-Heckenlandschaft Jahrhunderte alt ist und aus der fortgesetzten Teilung der Ackerflächen unter den Erben der Bauerngehöfte hervorging. 1900/1910 wurden die Äcker aufgegeben und mit Wald aufgeforstet. In der Krautschicht wachsen Sternmiere, Buschwindröschen, Sauerklee und Haselwurz. Neben der Ackernutzung an den Hängen gehört die Schafweide auf den Magerrasen der Kalkberg-Hochfläche zu den typischen Landnutzungsformen alter Zeit. Nicht zuletzt die Bischöfe von Bamberg intensivierten im 17. und 18. Jahrhundert, als sich das Klima in unserer Region drastisch abkühlte, die Schafhaltung auf ihren Besitzungen, um die landwirtschaftliche Nutzung auch auf ungünstigen Lagen zu unterstützen. So führt die Erlebnistour Kalkberge auch ein Stück durch die historische Landesgeschichte der Obermainregion und erklärt uns vieles zur Herstellung und Entstehung unserer typischen kulinarischen Spezialitäten.

Weiteres und viele schöne Bilder finden Sie unter: http://stadt-weismain.de/weismain-entdecken/rundwege-und-lehrpfade/kalkberg/

Kulinarisches:

Der Verein Main-Jura e.V. vermarktet u.a. Honig aus der Region sowie Apfelsaft aus regionalem Streuobstanbau. Näheres finden Sie hier: http://www.main-jura-natur.de/.

Wer sich nach der Wanderung zum Kalkberg stärken möchte, findet in Weismain ein gutes gastronomisches Angebot. In vielen Wirtshäusern der Region wird das heimische Püls-Bräu aus der gleichnamigen Weismainer Brauerei ausgeschenkt. Mit dem einprägsamen Slogan “fröhlich, fränkisch, frisch” wirbt Pülsbräu für sein gepflegtes Biersortiment aus heimischen Rohstoffen, das durch zahlreiche DLG- und CMA-Prämierungen ausgezeichnet wurde. Auch die höchste DLG-Auszeichnung “Preis der Besten” für Betriebe, die ihre überdurchschnittliche Qualität über Jahre hinweg unter Beweis gestellt haben, wurde der Weismainer Püls-Bräu schon mehrfach verliehen.

Zu Kaffee, Kuchen und kleinen Gerichten lädt die Meisterkonditorei Besold ins stilvoll eingerichtete Café am Markt gegenüber dem historischen Rathaus ein. Hier wird der Gast mit hervorragenden, hausgemachten Spezialitäten aus eigener Konditorei, mit phantastischen Torten- und Kuchenkreationen, Eis, Pralinen und vielem mehr, verwöhnt. Auch die passenden Mitbringsel für Daheimgebliebene finden Sie hier.

Unter “http://stadt-weismain.de/tourismus/gut-essen-und-trinken/” finden Sie weitere Tipps zu verschiedenen Einkehrmöglichkeiten in und um Weismain.

Saison:

ganzjährig

Zielgruppe:

Umweltstation des Landkreises Lichtenfels, Kirchplatz 11, 96260 Weismain, Telefon (0 95 75) 92 14 55 Michael Stromer, Dipl.-Ing. Landespflege und Gesamtleiter; Andrea Musiol, Dipl. Biologin

Links:

http://stadt-weismain.de/weismain-entdecken/rundwege-und-lehrpfade/kalkberg/

Literatur:

http://stadt-weismain.de/weismain-entdecken/rundwege-und-lehrpfade/kalkberg/ Faltblatt Lehrpfad Kalberge, Hg. Umweltstation Landkreis Lichtenfels

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