Waischenfeld: Eine Fahrt mit dem Bier-, Brotzeit- und Burgenexpress

Landkreis Bayreuth

Eine weitere schöne Tourenempfehlung des Verkehrsverbundes Großraum Nürnberg (VGN) führt vorbei an Burgen und Brauereien in die Fränkische Schweiz nach Waischenfeld. Mit dem Bier-, Brotzeit- und Burgenexpress (Linie 343) gelangt man hierher aus Richtung Nürnberg mit Umsteigebahnhof in Neuhaus an der Pegnitz. Von Bayreuth aus steigt man in Pegnitz und aus Richtung Bamberg und Forchheim mit Zubringer nach Ebermannstadt dort in den Wiesenttal-Express (Linie 389) nach Pottenstein.

Unter “https://www.vgn.de/freizeitlinien/fraenkische_schweiz_2” finden Sie eine ausführliche Beschreibung mit Karte und Verbindungsdaten der Busse und Bahnen. Außerdem sind dort verschiedene Tourenvorschläge aufgelistet, die Sie von verschiedenen Haltestellen aus starten können. Wir möchten Ihnen im Folgenden den Waischenfelder Brauereienweg vorstellen.

Unter “www.fraenkische-schweiz.com/uploads/dateien/pdf/download-bereich/Brauereiwanderung_11.pdf” finden Sie außerdem einen Flyer der Regionalen Entwicklungsgesellschaft “Rund um die Neubürg-Fränkische Schweiz” sowie unter “www.bierland-oberfranken.de/deutsch/brauereiwanderungen/alle_anzeigen_0/burg_und_bier_pfad_24/details_121.htm” eine Wanderbeschreibung von Bierland Oberfranken.

Waischenfeld gehört zu den geschichtsträchtigen Orten der Fränkischen Schweiz mit alter Burganlage. 1122 wird diese von dem in Waischenfeld ansässigen Edelherrn Wirint dem Kloster Michaelsberg in Bamberg übertragen. Knapp 200 Jahre später verlieh König Ludwig der Bayer dem Ort 1315 Stadt- und Marktrechte, womit auch das Recht der neuen Stadtbürger verbunden war, Bier zu brauen und auszuschenken. In den Gemeindestatuten von 1500 und 1610 wird aber ausdrücklich darauf verwiesen, dass nur geprüftes Bier ausgeschenkt werden durfte, ein Hinweis darauf, dass Bier zu dieser Zeit noch im Hausbrauverfahren erzeugt wurde. 1611 findet sich dann der Hinweis auf den Neubau eines Kommunbrauhauses, das mit einem Großteil des Ortes wohl 1632 von schwedischen Truppen zerstört und 1664 wieder aufgebaut wurde. 1807 wurde durch die bayerische Staatsregierung die Privatisierung der Kommunbrauhäuser gesetzlich angeordnet, weil deren Unterhaltskosten zu hoch wurden. Wer weiterhin die Einrichtung des Kommunbrauhauses nutzen wollte, musste fortan Anteilscheine an einer Braugesellschaft zeichnen. Es ist zu vermuten, dass das heute noch bestehende, 1867/68 errichtete Brauhaus in der Vorstadt 2, in dem ehemals alle Wirte im Ort ihr Bier brauten, sich nach wie vor an der Stelle befindet, an der auch die Anlage des 17. Jahrhunderts stand. Bis 1981 wurde es noch von der Brauerei-Gasthof Heckel im gleich benachbarten Haus Vorstadt 3 genutzt, die seither aber im eigenen Brauhaus braut. Erhalten aber hat sich der Brauch des Ausschanks “über die Gasse”. Wer Durst auf ein frisches Bier hat, kann es sich also in eigene Flaschen, Krüge und sonstige Gefäße abfüllen lassen. Oder man nimmt sich die eigene Brotzeit mit und bestellt sich dazu beim Wirt ein frisches Schankbier! Die Gaststube beim Heckelbräu überliefert übrigens ein gutes Stück Biergeschichte am Ort und wurde deshalb auch schon vom Fernsehen dokumentiert: http://www.br.de/mediathek/video/sendungen/zwischen-spessart-und-karwendel/heckel-brauerei-waischenfeld-100.html.

Wer auf dem Bier-, Brotzeit und Burgenexpress durch und rund um Waischenfeld wandert, sollte auch einen kurzen Blick auf den hübschen Ort werfen, der im Anschluss an die Burg entstand. Diese besteht aus den am Hang über dem Wiesenttal gestaffelten Resten der Oberburg und dem Zwischenplateau der Unterburg mit der Pfarrkirche. Die Marktsiedlung erstreckt sich unterhalb entlang der Wiesent und umfasst einen beidseitig bebauten Hauptstraßenzug sowie je eine parallel geführte Nebengasse. Die Hauptstraße mündet nach Süden in den kleinen Marktplatz mit Rathaus. Vom Burgberg aus ist die geschlossene Giebelhausbebauung der Hauptstraße mit Fachwerkhäusern des 18./19. Jahrhunderts gut ablesbar. Auf dem gegenüberliegenden Ufer der Wiesent zieht sich die ehemalige Fischervorstadt mit einer Reihe kleiner Häuser, Scheunen sowie Brauhaus und Gasthaus am Flusslauf entlang.

Zu Waischenfeld gehören u.a. auch die Ortsteile Breitenlesau und Nankendorf, die wir auf unserer Wanderung passieren.

Kulinarisches:

Die Wanderung von Burg zu Brauerei rund um Waischenfeld führt also auf besondere Weise auch in die Geschichte der Region, die sich wie so oft in Oberfranken kulinarisch spiegelt.

Die urige Brauerei Heckel in Waischenfeld selbst hält die Geschichte des Bierbrauens am Ort aufrecht. Das traditionelle Wirtshaus ist Teil des geselligen Lebens am Ort. Zu Essen gibt es hier allerdings nichts, die Brotzeit zum süffigen Schankbier darf man aber mitbringen! Bei den hervorragenden Bäckern und Metzgern in Waischenfeld haben Sie dazu die beste Gelegenheit. Wer mag, nimmt sich das Bier auch im passenden Behältnis “über die Gasse” mit nach Hause. Und wer nichts Passendes dabei hat, kauft eine originelle Zwei-Literflasche!

Im benachbarten Breitenlesau lockt der Krug-Bräu mit Gasthof, Biergarten und Tanzcenter. Die Brauerei besteht seit 1834. Gebraut wird ein dunkles Lagerbier, ein Pils, verschiedene Fest- und Lagerbiere sowie eine Hefe Weisse in einer modernen Anlage, jedoch nach alten Familienrezepten. Im Wirtshaus serviert man dazu u.a. herzhafte Brotzeiten, Pfannenschnitzel und Sonntagsbraten.

Seit 1834 besteht die Brauerei Schroll (ehemals Schmitt) in Nankendorf. Gebraut wird ein süffig-malziges Bier unter dem Namen “Urtrunk”, das zu Weihnachten und in der Fastenzeit auch als Bockbier gebraut wird. Außerdem ist ein Helles im Angebot. Im Gasthaus “Zum weißen Lamm” werden die eigenen Biere zu Brotzeiten und warmen Speisen auch ausgeschenkt.

In Waischenfeld und Nankendorf finden sich übrigens verschiedene Mühlen, die die Wasserkraft der Wiesent heute allerdings nur noch zur Stromerzeugung nutzen.

Auf der Höhe zwischen Burg Rabeneck und Burg Rabenstein liegt im Ortsteil Eichenbirkig Gut Schönhof. 1977 übernahm das Sozialwerk der Johannischen Kirche (KdöR) die verfallene Anlage und wandelte sie in einen modernen landwirtschaftlichen Betrieb mit konsequenter ökologischer Bewirtschaftung um. Hier werden Nahrungsmittel auf natürliche Weise erzeugt, wie z.B. Brot aus der eigenen Backstube sowie Wurst und Fleisch von eigenen Rindern und Schweinen. Das alte Gutshaus von 1716 wurde inzwischen in einen gemütlichen Gasthof umgewandelt, in dem Sie von der Brotzeit bis zum Bratengericht hervorragend speisen können. Im Hofladen von Gut Schönhof finden Sie dazu ein breites Angebot an Produkten, die hier voll Sorgfalt und Verantwortung hergestellt werden.

Termin:

Zu Silvester findet in Nankendorf im Rahmen der Ewigen Anbetung eine Lichterprozession statt. Dabei werden an den umliegenden Hängen Tausende Lichter entzündet. Das eindrucksvolle Schauspiel findet zeitlich gestaffelt in vier umliegenden Ortschaften statt, beginnend am 20. Dezember in Oberailsfeld, in Nankendorf am 31. Dezember, in Obertrubach am 3. Januar und abschließend am 6. Januar in Pottenstein.

Saison:

an Silvester

Links:

http://www.fraenkische-schweiz.com/uploads/dateien/pdf/download-bereich/Brauereiwanderung_11.pdf
https://www.vgn.de/freizeitlinien/fraenkische_schweiz_2
http://www.bierland-oberfranken.de/deutsch/brauereiwanderungen/alle_anzeigen_0/burg_und_bier_pfad_24/details_121.htm
http://www.br.de/mediathek/video/sendungen/zwischen-spessart-und-karwendel/heckel-brauerei-waischenfeld-100.html
http://www.waischenfeld.de/

Erlebnis

Waischenfeld: Eine Fahrt mit dem Bier-, Brotzeit- und Burgenexpress

Zur Übersicht
Menü