Uetzing: Ins Land der Nüsse

Landkreis Lichtenfels

Das Obermain-Gebiet ist eine alte Kulturlandschaft von ungewöhnlich hoher historischer Aussagekraft. In Viktor von Scheffels Frankenlied als “Gottesgarten” besungen, besticht die Region mit einem bemerkenswerten Wechselspiel unterschiedlicher Kultur- und Naturerlebnisse.

Eine kleinteilige und reich gegliederte Landschaft (Wiesen, Streuobstflächen, kleine Ackerschläge, ehemalige Weinberge, Magerrasen, Hecken, Wald), Relikte der alten Wasserkraftnutzung (Mühlen, Mühlgräben, Wehre) sowie schließlich eine eindrucksvolle Vielzahl archäologischer Stätten, kultureller Sehenswürdigkeiten, malerisch gelegene Orte und liebevoll gepflegter Fachwerkhäuser laden hier zu erlebnisreichen Ausflügen ein.

Rund um Uetzing, einem hübschen Ort am wasserreichen Döbertenbach, lockt dazu noch eine weitere Besonderheit. Die Region hat sich den Namen “Land der Nüsse” gegeben, denn tatsächlich wachsen im Talgrund, an den ansteigenden Trockenhängen sowie auf den kargen und steinigen Hochflächen zahlreiche Walnussbäume. So nennt man die Uetzinger auch scherzhaft “Nussprügel”, was vermutlich auf die handfesten Holzscheite angespielt, mit denen man im Herbst versucht, die reifen Nüsse von den Bäumen zu holen.

Schon die Römer schätzten die Echte Walnuss wegen ihrer wohlschmeckenden Früchte und hielten sie für eine Speise der Götter. Deshalb nannten sie sie “Jovis glans”, also Nuss des Jupiter. Als ursprüngliche Heimat der Walnuss gelten Syrien sowie West- und Südanatolien. Weit verbreitet war sie schon in frühgeschichtlicher Zeit im östlichen Mittelmeergebiet, auf der Balkanhalbinsel sowie in Vorder- und Mittelasien. Spätestens im Zuge der römischen Eroberungen brachten römische Gartenbauexperten die Walnuss in die besetzten Provinzen nördlich der Alpen. Auch Karl der Große liebte Walnüsse und empfahl sie zum Anbau in den Gärten seiner Pfalzen und Königshöfe. So kam die Walnuss nach Franken.

Man mag nun spekulieren, dass die große Anzahl der Walnussbäume rund um das malerische Dorf Uetzing am Döbertenbach ebenfalls auf Kulturmaßnahmen des Frankenkaisers zurückgehen, denn immerhin wurde hier, auf einem Ausläufer des Staffelberges um 800 vermutlich eine jener ersten 14 Kirchen errichtet, die der Bekehrung der in der Region siedelnden Slawen dienten. Doch Näheres lässt sich nicht belegen.

Aber auch ohne Detailkenntnisse in dieser Richtung beeindruckt die Landschaft im Döberten- und Lautergrund gleichermaßen durch eine ungewöhnliche Vielzahl archäologischer Stätten wie durch die kleinteilige Vielfalt unterschiedlicher landwirtschaftlicher Nutzungsformen, die dem Artenreichtum in Flora und Fauna zugute kommt. Rund um den sagenhaften Staffelberg, Kordigast, Veitsberg und auf vielen weiteren imposanten Erhebungen am Obermain siedelten schon vor mehr als 5000 Jahren Menschen. Nach der fränkischen Landnahme im 8. Jahrhundert setzte mit den Grafen von Schweinfurt im 10./11. Jahrhundert eine erste Phase des Landesausbaus ein. Nach der Gründung des Bistums Bamberg 1003 erfolgte schließlich eine durchgreifende Veränderung der kirchlich-politischen Verhältnisse am Obermain zugunsten des neuen geistlichen Zentrums und der Familie der Andechs-Meranier. Wer sich für die Geschichte der Region interessiert kann sie hier buchstäblich erwandern. Dabei zeugen Grabhügelfelder, Turmhügel, Ring- und Abschnittwälle, aber auch Steinbrüche, Eisenerzgruben, wasserbautechnische Anlagen, Wein- und Ackerterassen, Lesesteinwälle, Hecken, Schlagholzwälder und Streuobstgärten vom vielfältigen Einfluss des Menschen auf diese schöne Landschaft.

Am besten wandert man hier – bewaffnet mit einem archäologischen Landschaftsführer – über verschiedene Routen, die vom Landschaftspflegeverband Lichtenfels mit interessanten Faltblättern ausgewiesen werden. So kann man sich auch über verschiedene Pflegemaßnahmen des Landschaftspflegeverbandes informieren, die dazu beitragen, die Eigentümlichkeiten dieser bemerkenswerten Landschaft zu erhalten.

Näheres finden Sie z. B. hier:
http://lpv-lkr-lichtenfels.de/bilder/76/route03hoch.pdf
http://www.lpv-lkr-lichtenfels.de/bilder/75/route04hoch.pdf
http://www.lpv-lkr-lichtenfels.de/bilder/78/route06hoch.pdf
http://www.lpv-lkr-lichtenfels.de/bilder/82/route10hoch.pdf

Kulinarisches:

In Friedrich Nagels Geographie des Königreiches Bayern von 1838 findet sich der Hinweis, dass das Pfarrdorf Uetzing großen Gewinn aus dem Anbau von Zwetschgen und Walnüssen beziehe. Auch heute noch wachsen rund um Uetzing ungewöhnlich viele Nussbäume hervorragender Kultursorten, die mit den klimatischen Bedingungen und den teilweise mageren und steinigen Böden der Region gut zurecht kommen. Verschiedene Walnusssorten wachsen besonders gut in den Weinbauregionen, da sie gerade im Frühjahr ein gemäßigtes Klima ohne Spätfröste benötigen. Immerhin wurde am Staffelberg bis in die Anfänge des 20. Jahrhunderts Weinbau betrieben. Ein kleiner Weingarten bei Horsdorf erinnert noch an diese Tradition. Auch dies könnte dafür sprechen, dass die Nüsse rund um Uetzing besondere Standortvorteile genießen und deshalb so gut geraten.

Wer diese Nüsse einmal probieren möchte, kann im Herbst bei den Besitzern der Walnussbäume nachfragen. Nüsse aus heimischem Anbau haben gegenüber herkömmlichen Handelsimportwaren einen unvergleichlichen Geschmacksvorteil. Es lohnt sich also zweifellos, einen regionalen Anbieter ausfindig zu machen.

Kulinarisch hat Uetzing aber noch viel mehr zu bieten. Da gibt es einmal die alten Mühlen am Döbertenbach, von denen die Ultschmühle in Gößmitz mit Landhandel und die Serkendorfer Mühle mit Mühlenbäckerei noch immer in Betrieb sind. Die Mühlenbäckerei Dinkel in Serkendorf und die Bäckerei Schauer in Uetzing bieten hervorragende Sauerteigbrote nach alter handwerklicher Tradition sowie leckere Hefeblechkuchen und andere Gebäckspezialitäten aus regionalem Getreide an.

Auch die Metzgerei Reichert mit eigenem Dorfladen ist ein Geheimtipp. Tradition wird hier nach echter fränkischer Art groß geschrieben. Deshalb wird im Wurstkessel mit guten Hausmacherwürsten alles das hergestellt, was zu einer echten fränkischen Brotzeit gehört ! Das Fleisch dafür stammt ausschließlich von Tieren aus der Region. Legendär ist auch der geräucherte Schinken. Metzgermeister Manfred Reichert legt Wert auf die besondere Auswahl der Fleischstücke, die ausschließlich von Hand mit einer Spezial-Würzmischung nach altem Hausrezept behandelt werden. Nach vierwöchiger Ruhezeit in der Gewürzlake werden die Schinkenstücke anschließend in der backsteingemauerten Räucherkammer über reinen Buchenspänen eine Woche lang schonend kalt geräuchert. Außerdem stellt er nach ähnlichem Rezept Schinken aus Schaffleisch her. Die Tiere bezieht er vom Schäfern, die im Auftrag von Naturschutz und Landespflege die Trockenrasenflächen und Wacholderhänge in der Region beweiden. So schließt sich hier ganz selbstverständlich ein Kreis zwischen kulinarischer Rafinesse und dem Engagement für den Erhalt der wunderschönen Kulturlandschaft rund um Uetzing.

Zu kaufen gibt’s dies alles im Dorfladen, einem echten Tante Emma-Laden, der noch alles hat, was man zum Leben benötigt: neben frischem Brot, Wurst und Schinken auch weitere Lebensmittel, Drogeriewaren und vieles mehr. Auch das legendäre Metzgerbier, das eigentlich zunächst aus privatem Interesse gebraut wurde, kann man sich hier vom Fass abfüllen lassen. Manfred Reichert hat nämlich aus seinem Hobby ein zweites Standbein gemacht und vor einigen Jahren eine neue Brauanlage mit 5 Gär- und Lagertanks in Betrieb genommen. Seither bietet er drei Sorten Bier, nämlich Lager, Weizen und Bockbier zum Kaufen oder zum Trinken mit einer herzhaften Brotzeit direkt im Brauhaus an. Der Metzgerbräu in Uetzing öffnet Montag bis Freitag von 6.30 Uhr bis 18 Uhr seine Wursttheke. Bierausschank ist bis 21.00 Uhr. Samstags ist von 6.30 bis 18 Uhr oder nach Vereinbarung geöffnet. Am Sonntag ist Ruhetag.

Samstag und Sonntag ab 16 Uhr öffnet Stephans Wirtshaus im historischen Gebäude aus dem 17. Jahrhundert, das nach aufwendiger Restaurierung nun behagliche Gemütlichkeit und gelebte Baugeschichte ausstrahlt. Die Küche bietet dazu hausgemachte Kuchen und Kaffee, fränkische Bratwürste mit selbstgemachtem Sauerkraut und reichhaltige Brotzeiten mit dem beliebten Uetzinger Holzofenbrot an. Zum Ausschank kommen Biere der Traditionsbrauerei Mahr`s Bräu aus Bamberg. Zur Uetzinger Kerwa, am ersten Wochenende im August öffnet das Wirtshaus bereits am Vormittag ab 10 Uhr. Von Freitag bis Montag gibt’s hier die typischen fränkischen Kerwa-Spezialitäten zu uriger Life-Musik.

Der Gasthof “Grüner Baum” gleich neben der Kirche mit kleinem Biergarten eignet sich zur Einkehr nach ausgiebiger Wanderung bei typischen fränkischen Brotzeiten sowie Mittwochs mit warmem Kalbs- und Leberkäse. (Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag ab 10 Uhr). Auch der Landgasthof “Zum Kutscher” an der Oberlangheimer Straße, ebenfalls mit kleiner Hausmetzgerei, ist auf Wanderer und andere Gäste in der Region eingerichtet. Im Angebot des Wirtshauses sind typische fränkische Gerichte, wobei Fleisch, Wurstwaren und Schinken aus eigener Produktion stammen. Zusätzlich laden gemütlich eingerichtete Gästezimmer zu einem längeren Aufenthalt in der Region ein. Produkte der eigenen Hausmetzgerei können auch in Geschenkkörben mitgenommen werden!

Termin:

Die Uetzinger Kerwa findet am ersten Augustwochenende von Freitag bis Montag statt.
http://stephans-wirtshaus.de/uetzinger-kerwa/

Zu den Öffnungszeiten der einzelnen Betriebe beachten Sie bitte auch die jeweiligen Home-Pages.

Saison:

im August

Links:

http://metzgerbraeu.com/bier/
http://stephans-wirtshaus.de/uetzinger-kerwa/
http://www.lpv-lkr-lichtenfels.de/

Erlebnis

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