Pretzfeld: Auf dem Kirschenweg

Landkreis Forchheim

Eine tolle Wanderempfehlung kommt vom Fränkische Schweiz – Verein (Ortsgruppe Pretzfeld): Der Kirschenweg mit Beginn an der St. Kilians-Kirche führt auf gut neun Kilometern rund um Pretzfeld. Mit der Markierung „Rote Kirschen“ erwarten den Wanderer 15 Stationstafeln, die in Wort und Bild erschöpfend über alles Auskunft geben, was den Kirschenanbau, das Trubachtal, seine Geschichte und die anliegenden Ortschaften betrifft.

Die herrliche Tour führt ins Herzland des Kirschenanbaus und verläuft auf wunderschönen Wegen abseits der befahrenen Straßen mit vielen Sehenswürdigkeiten und Einkehrmöglichkeiten. Besonders ansprechend ist die schöne Tour während der Kirschenblüte oder in der Erntezeit der Kirschen. Aber auch, wenn sich im Frühherbst das Laub der Kirschbäume feurig rot und gelb färbt, hat diese Tour einen ganz besonderen Reiz.

Eine Karte und ausführliche Wegebeschreibung dazu finden Sie hier: http://www.fsv-pretzfeld.de/index-Dateien/Page3735.htm.
Die Wegbeschreibung kann auch im Pretzfelder Rathaus, Hauptstraße 2, als Faltblatt abgeholt werden.

Wir möchten Ihnen zusätzlich weitere Informationen und Hinweise zu den Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke und auf die kulinarischen Spezialitäten geben, die Sie hier genießen können.

Den malerischen Ort mit vielen restaurierten Fachwerkhäusern am Zusammenfluss von Wiesent und Trubach dominiert die Pfarrkirche St. Kilian. Das um die Mitte des 12. Jahrhunderts bereits bestehende Gotteshaus ist Mittelpunkt einer Urpfarrei, deren Sprengel weite Gebiete beiderseits der beiden Flüsse umfasst. Im Mittelalter wurde die Anlage zu einer Kirchenburg ausgebaut, in der die Bevölkerung Schutz vor marodierenden Soldaten suchte. 1739 stürzte die Kirche bei Reparaturarbeiten ein und wurde anschließend von Johann Michael Küchel neu errichtet.

Zu den kulturgeschichtlich herausragenden Sehenswürdigkeiten des Ortes gehört das Pretzfelder Schloss, dessen Existenz seit dem 12. Jahrhundert belegt ist. Im Bauernkrieg 1525 zerstört, stammt der bestehende zweiflügelige Wohnbau mit mehreren Treppentürmchen aus der Mitte des 16. Jahrhunderts. Die angegliederte Kapelle wird vermutlich erst 1762 gebaut. Seit 1852 befindet sich das Schloss in Privatbesitz. Es beherbergt eine Sammlung von Gemälden des Neoimpressionisten Curt Herrmann (1854-1929), die auf Anfrage besichtigt werden kann.

Verheiratet mit Sophie Herz, Tochter der damaligen Schlossbesitzerin Lina Herz, verbrachte Curt Herrmann eine Zeit seines Lebens in Pretzfeld. Curt Herrmann verkehrte mit Künstlergrößen wie Gerhard Hauptmann, Max Liebermann und vor allem Henry van der Velde, der sich ebenfalls eine Zeit lang in Pretzfeld aufhielt. In Berlin war er Gründungsvorstand der Berliner Sezession. Später trug er eine der größten Privatsammlungen der Moderne zusammen.Von Rainer Maria Rilke ist eine Ausstellungsbesprechung seiner eigenen Bilder erhalten. Die finanzielle Unabhängigkeit des Ehepaares Herrmann ermöglichte ihm die Einrichtung eines Hilfsfonds für Künstler. Die Bedeutung des Werkes Herrmanns und seines Einflusses auf die gesamte Kunstepoche ist nicht zu unterschätzen und wird u.a. im Nachruf von Henry van de Velde auf den verstorbenen Künstlerfreund zum Ausdruck gebracht.

Von 1919 bis 1929 / 31 lebten Curt und Sophie Herrmann frei von finanziellen Sorgen im Pretzfelder Schloss. Der idyllische Sommersitz der Familie Herz war vom Geist der Lina Herz, Tochter des Nürnberger jüdischen Bankiers Josef Kohn, geprägt. Auch sie besaß Werke von Liebermann, Kolbe, Gaul und Klimsch und ist noch heute als Stifterin des ersten Kindergartens im Tal Ehrenbürgerin von Pretzfeld. Leider ging ein Teil der mobilen Ausstattung des Schlosses durch Plünderung in der Reichskristallnacht verloren.

Weitere Informationen zu Curt Herrmann finden Sie hier: http://www.nordbayern.de/region/pegnitz/eine-gluckliche-zeit-1.572563 sowie im Artikel von Bärbl Völkl unter: http://www.nordbayern.de/region/pegnitz/henry-van-de-velde-liess-sich-von-pretzfeld-inspirieren-1.2798002

Auch wenn die Biographie der wohlhabenden Familie Herz-Herrmann sich eher ungewöhnlich darstellt, gibt sie Anlass, auf das jüdische Leben in Pretzfeld und Umgebung zu verweisen. Schon im 14. Jh. sind hier jüdische Familien belegt, die gegen Zahlung hoher Geldbeträge unter dem Schutz der ortsansässigen Adelsfamilien standen. In Pretzfeld sind 1593 sieben jüdische Familien nachgewiesen, im Ortsteil Hagenbach leben 1678 14 jüdische Familien. Als 1658 das Landesrabbinat Bamberg gegründet wird, bestimmt man Hagenbach zum Sitz des Kreises “Gebürg”. 1825 wird das Bezirksrabbinat Hagenbach etabliert. Hierzu zählten in der Umgebung 11 Synagogen und 13 jüdische Gemeinden. In Pretzfeld ist 1623 eine Synagoge nachgewiesen; innerhalb des Hagenbacher Schlossareals existiert 1653 eine Synagoge mit Judenschule. Westlich des Ortes liegt ein fast unberührt erhaltener jüdischer Friedhof. In Pretzfeld und Hagenbach wie in vielen anderen Orten der Fränkischen Schweiz existieren noch heute zahlreiche “Traufhäuser”, also Anwesen, deren Grundbesitz nur so weit reichte, wie Regen von der Taufe fiel. Sie wurden früher überwiegend von jüdischen Familien bewohnt.

Kulinarisches:

Mit dem Obstgroßmarkt und der Kelterei Pretzfelder bildet der Ort ein Zentrum der Kirschen- und Obstverwertung in der Region. Auf dem Höhepunkt der Kirschenernte findet Mitte Juli im idyllischen Kellerwald der Marktgemeinde Pretzfeld das alljährliche fränkische Kirschenfest statt. Die sechstägige Veranstaltung – auch Kerschenkerwa genannt – wartet mit allem auf, was zu einem typischen fränkischen Fest gehört. Vom Festauftakt am Freitag mit zünftiger Blaskapelle und Bieranstich, einem Gottesdienst im schattigen Kellerwald am Sonntagmorgen, bis zum traditionellen fränkischen Schlachtschüsselessen am Montagmittag, regelmäßigen Frühschoppen und vielen Spiel- und Erlebnismöglichkeiten für Jung und Alt, stehen natürlich Kirschen und ihre zahlreichen Veredlungsprodukte im Mittelpunkt. Bei schönem Wetter ist das Fest in Oberfranken schlichtweg Kult und zieht eine seit Jahren wachsende Besucherzahl an.

Der Kirschenanbau in der Fränkischen Schweiz ist auf gartenkulturelle Aktivitäten des Klosters Weißenohe im 11. Jh. zurückzuführen. Durch fortlaufende Züchtung und Auslese von Veredlungsunterlagen und Edelsorten sowie durch Verbesserung der Anbauformen entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte die Kultur der Süßkirsche in der Fränkischen Schweiz zur heutigen Blüte. Lange Zeit wurde der Obstbau in dieser Region in der typischen Doppelnutzung mit Hochstämmen und Unterkulturen betrieben. Inzwischen konnte durch die Ertragssteigerung im Obstbau auf Unterkulturen verzichtet werden, so dass viele Obstbauern auf Halbstämme umgestellt haben. Die heute noch bestehenden Betriebe bewirtschaften ihre Obstgärten als Hauptsonderkulturen häufig im Nebenerwerb und in geringerem Umfang, zusammen mit anderen Obstsorten, im Haupterwerb. Da Kirschen als leicht verderbliche Ware auf kurzem Weg zum Verbraucher gelangen müssen, haben sich viele Obstbauern zu genossenschaftlichen Absatz- und Verwertungsgemeinschaften um Igensdorf oder Pretzfeld zusammengeschlossen. In der Hauptsaison können an diesen Märkten täglich bis zu 25.000 Steigen Süßkirschen anfallen, von denen ca. 80 % in den Frischverkauf gehen und etwa 20 % in Keltereinen und Brennereien weiter verarbeitet werden. Einige Obstbauern setzen dagegen auf die eigene Direktvermarktung. Sie verkaufen sowohl Kirschen als Frischware oder veredeln die süßen Früchte zu Obstwässern, Geisten, Likören und anderen Produkten.

Wer sich über die Verarbeitung von Kirschen und anderen Obstsorten in den Brennereien rund um das Walberla informieren möchte, findet in der am Ort ansässigen Edelbrennerei Haas eine richtige Adresse. Mit dem wirkungsvollen Slogan “einfach nur das Beste nehmen” erklärt die Familie Haas, die seit über 110 Jahren die Brennerei betreibt, ihre Betriebsphilosophie. Gebrannt wird ausschließlich in kleinen Kupferblasen durch besonders langsame und schonende Destillation. Bei dieser sensorischen Abtrennung der unerwünschten Alkohole entstehen hochwertige Brände und Geiste mit einer besonders klaren und abgerundeten Fruchtaromatik. Die produzierten Brände (darunter sortenreine Brände, Jahrgangsbrände sowie Brände mit Flurnummernangabe), Wässer, Geiste und Liköre kann man in aller Ruhe, bei fachkundiger Beratung, in der eigenen Probierstube verkosten. Nach Voranmeldung werden für Gruppen ab 10 Personen auch Seminare mit Verkostung und weiteren fränkischen Spezialitäten, Kaffee oder hauseigenem Gebäck, veranstaltet. Auch die im Gastraum integrierte Brennerei kann auf Wunsch in Betrieb genommen werde, so dass man den Herstellungsprozess eines Brandes authentisch erleben kann. Aus Kirschen der eigenen Obstgärten stellt man bei Haas übrigens besondere Kirsch-Edelbrände her. Für Selektionsbrände eignen sich die um Pretzfeld angebauten Sorten Haumüller, Karsberger und Dollesepler am besten.

Der Kirschenweg lockt natürlich vor allem in der Zeit der Baumblüte (April, Mai) oder im Juli, wenn die Kirchen reifen. Die herrliche Landschaft und die vielen Sehenswürdigkeiten entlang der Route begeistern aber auch in den übrigen Jahreszeiten. Wer im Anschluss an den schönen Weg noch einkehren möchte, wird im Brauereigasthof Nikl in Pretzfeld mit hausgebrauten Bieren und echt fränkischen Spezialitäten verwöhnt. Eingeweihte wissen, dass dies nicht selbstverständlich ist, denn der auf ein Dekret Kaiser Maximilians von 1510 zurükgehende “Bierstreit” mit dem benachbarten Ebermannstadt verbot es den Pretzfelder 400 lange Jahre lang, selbst Bier zu brauen. Dann aber erfüllte sich Mike Schmitt, der junge Braumeister von Nikl-Bräu, im Jahr 2008 den Lebenstraum vom eigenen Sudkessel, der eigenen Wirtschaft und dem eigenen Biergarten gleich hinter’m Haus. Und das ist auch im Ergebnis wörtlich zu nehmen, denn was beim Niklbräu im Brauhaus und in der Küche erzeugt und den begeisterten Gästen serviert wird, ist in pucto “fränkische Kulinarik” wahrhaftig traumhaft zu nennen. Gebraut wird ein helles Lager und ein dunkles Kellerbier sowie verschiedene Festbiere (z.B. ein Rauchbierbock). In der Küche regiert Alexandra Schmitt, tatkräftig von Mutter und Schwiegermutter unterstützt. Neben hervorragenden Brotzeiten, Bratwürsten und anderen kleinen Gerichten wird auch immer ein warmes Tagesgericht serviert. An den Wochenenden kommen dazu Schäuferla, fränkische Bratengerichte sowie Kaffee und Kuchen.

Den originellen Namen führt Nikl Bräu übrigens in Erinnerung an den Großvater der Familie Schmitt, den “Nikl Korl”, der als Mundartdichter in der Region bekannt war.

Termin:

Das Kirschenfest im Pretzfelder Kellerwald, veranstaltet vom Markt Pretzfeld, findet jährlich Mitte Juli statt. Vom Festauftakt am Freitag bis zum Ausklang am darauf folgenden Mittwoch ist viel Unterhaltsames und Kulinarisches geboten. Das Fest hat seinen ursprünglich typischen Kerwa-Charakter bewahren können und ist deshalb ein echtes Erlebnis für Groß und Klein.

Näheres zum Festprogramm finden Sie unter: http://www.kirschenfest-pretzfeld.de/

Saison:

ganzjährig

Zielgruppe:

Die Wanderung über den Kirschenweg rund um Pretzfeld ist ein Erlebnis für Jung und Alt. Die Strecke ist weitgehend auch für Gehbehinderte geeignet. Auch zum Kirschenfest sind Erwachsene sowie Familien mit Kindern gerne geladen. Für den Anstieg im Kellerwald benötigen Gehbehinderte ggf. etwas Unterstützung.

Anbieter:

Edelbrennerei Haas
Schmiedsgasse 2
91362 Pretzfeld
Internet: www.brennerei-haas.de
Dienstlich (direkt): 09194 1256
Fax: 09194 794144
e-mail: info@brennerei-haas.de

Nikl-Bräu
Egloffsteiner Straße 19
91362 Pretzfeld
Internet: www.brauerei-nikl.de
Dienstlich (direkt): 09194 794038
Fax: 09194 725026
e-mail: info@brauerei-nikl.de

Links:

http://www.pretzfeld.de/tourismus/kirschenweg.html
http://www.kirschenfest-pretzfeld.de/
http://www.fsv-pretzfeld.de/
http://www.destillerie-haas.de
http://www.brauerei-nikl.de/

Literatur:

Bärbel Völkl: http://www.nordbayern.de/region/pegnitz/henry-van-de-velde-liess-sich-von-pretzfeld-inspirieren-1.2798002

Erlebnis

Pretzfeld: Auf dem Kirschenweg

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