Pegnitz: Flindererzeit, die fünfte Jahreszeit

Landkreis Bayreuth

Die Flindererzeit gilt in Pegnitz als 5. Jahreszeit. Von April bis Juni beteiligen sich mindestens 10 Gasthäuser am Flinderertreiben. In dieser Zeit wird abwechselnd jeweils eine Woche in den beteiligten Häusern geflindert. Zu hausgemachten, deftig-fränkischen Brotzeiten und warmen Gerichten aus der Küche gibt es dann von den zwei örtlichen Brauereien, der Brauereivereinigung Pegnitz und der Brauerei Knopf, für Bierliebhaber das eigens dafür gebraute Flindererbier. Die jeweils ausführende Wirtschaft hängt übrigens als Flinderer-Zeichen ein Büschel grüner Zweige mit einigen aufgeblasenen Schweinsblasen an die Tür.

Das Flindern geht in Pegnitz auf eine Übereinkunft aus dem Jahr 1728 zurück. Damals vereinbarten die Brauberechtigten in der Neustadt, dass während der warmen Monate von März bis Anfang Oktober die Berechtigung zum Bierschenken, ein Institut, das Flinderer genannt wird, von Woche zu Woche wechseln sollte. In den Wintermonaten konnte dagegen jeder Berechtigte ungehindert sein Bier ausschenken. Jeder Hausbrauer, der im Sommer sein Eigenbräu-Bier ausschenken wollte, musste sich am „Flindern“ beteiligen. Dazu musste er sich zunächst um ein Los bewerben. Waren alle Bewerber angemeldet, wurde durch die Verlosung festgelegt, in welcher Reihenfolge der von Woche zu Woche wechselnden Flinderer stattfinden sollte. 1839 wurde dieser Brauch bekräftigt und in den folgenden Jahren sogar noch etwas verschärft. Konnte ein Brauberechtigter in dieser Zeit sein Los nicht wahrnehmen, durfte er sich auch in Zukunft nicht mehr am Flindern beteiligen.

Man mag darüber spekulieren, ob der Magistrat damit die Menge des gebrauten Bieres in Pegnitz grundsätzlich einschränken oder nur die Brauer selber vor einer zu hohen Arbeitsbelastung in der Zeit schützen wollte, in der ja eigentlich Gärten und Felder bestellt werden mussten. Schließlich spielte es auch eine Rolle, dass das Bier in der warmen Jahreszeit schneller sauer wurde, weshalb man durch den wöchentlichen Wechsel dafür sorgte, dass immer wieder frisch angestochen wurde.

Das Wort Flinder geht zurück auf den mittelhochdeutschen Begriff “flinderlin” für “Flinder” und “Flitter”. Als blinkender Flitter wurden z.B. die kleinen blinkenden Blechmünzen an der Frauentracht bezeichnet. In der Übertragung des Begriffs blinken auch die flatternden Bänder und Streifen im Kranz oder Busch, der als Bier- oder Weinzeichen zur Flindererzeit ausgehängt wird. Aus dem bunten Zierrat, mit dem die Wirte auf sich aufmerksam machen wollten, wurde mit der Zeit die Bezeichnung für das Bier und die Veranstaltung abgeleitet.

Kulinarisches:

Typisch für die “Flindererzeit” ist das süffige Flindererbier, das von den Pegnitzer Brauereien extra für diese Zeit eingebraut wird. Dazu wird traditionell eine deftige, fränkische Brotzeit serviert.

Es wird abwechselnd wöchentlich, von April bis Juni, in verschiedenen Pegnitzer Gaststätten geflindert. Meistens gibt es schon ab Vormittag zum Flinderer-Bier die typischen “Hausmacher-Brotzeiten” wie Bratwürste, gebraten oder sauer, Blut- und Leberwürste, roten und weißen Presssack und Tellersülze. Auch “Schipf” (eine in manchen fränkischen Regionen gebräuchliche Bezeichnung für Kesselfleisch), “Rippla”, Krenfleisch und Schweinebraten mit Klößen haben Tradition. Dazu wird Sauerkraut, ein unverzichtbarer Bestandteil fränkischer Küche, serviert.

Termin:

Die Flindererzeit dauert von April bis Juni.

Saison:

April bis Juni

Links:

http://www.pegnitz.de/kultur-brauchtum/flinderer/

Erlebnis

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