Peesten: Zur Lindenkirchweih mit Tanz auf der Linde

Landkreis Kulmbach

Auf dem Dorfplatz in Peesten, nahe der Kirche, steht als Wahrzeichen des Ortes eine Tanzlinde. Die würfelförmige Form des luftigen Baumsaales, der auf Sandsteinsäulen ruht, ist einzigartig in Europa. Erstmals erwähnt wurde die Peestener Linde in einer Gemeinderechnung von 1657. Dieser Notiz ist zu entnehmen, dass der Baum zwischen 1550 und 1600 gepflanzt wurde. Unter der ständigen Obhut der Gemeinde Peesten entwickelte er sich zu einem sehenswerten künstlichen Gebilde, das die ältere Generation noch als Tanzlinde kennt. Leider mussten die letzten Reste dieses schönen Baumes 1947 gefällt werden. 1950/51 pflanzte man jedoch eine neue Linde, die inzwischen wieder so groß gewachsen ist, dass sie den 1994 erneuerten Kranz von Balkenauflegern aus Eichenholz um den Tanzplatz wieder schattenspendend überragt. 1999 gründeten acht Peestener Einwohner den “Förderkreis Tanzlinde Peesten” mit dem Anliegen, die Holzkonstruktion der Linde vollständig zu rekonstruieren, um sie als historisches Wahrzeichen Peestens und Treffpunkt für Einheimische und Besucher wieder erstehen zu lassen.

Am 12. Mai 2001 wurde das Richtfest für die schöne Konstruktion des erneuerten Lindentanzbodens und der geschwungenen Steintreppe mit einem ersten Tanzfest gefeiert. Das “Ältestenehepaar” des Förderkreises hatte kurz vorher goldene Hochzeit gehabt. Ihm wurde die Ehre zuteil, anlässlich seines Jubiläums mit einem Walzer die Tradition des Peestener Lindentanzes nach fast einem Jahrhundert Pause als Erste neu aufleben zu lassen. Die Zimmerleute standen Spalier und klatschten den Rhythmus zum Tanz – ein bewegendes Erlebnis für alle.

Um die schöne Linde vor schädlichen Einflüssen zu schützen, hat der Förderkreis beschlossen, sie nicht zur Eventkulisse zu degradieren. Vielmehr soll sie lange im Lichte der Jahreszeiten strahlen und den Einheimischen übers Jahr Freude und einen ungewöhnlichen Veranstaltungsort z.B. bei einer Theateraufführungen oder einem Konzert für etwa 90 Gäste bieten. Jährlicher Höhepunkt der Feste um die Linde ist die Kerwa, mit Lindengottesdienst, Lindenfrühschoppen, Umzug mit anschließendem Lindentanz der Jugend und der stolzen Kinder. Von Mai bis Oktober ist die Tanzlinde begehbar. In dieser Zeit können auch Einzelbesucher und Reisegruppen (auf Anmeldung) aus ganz Europa dieses einzigartige Naturdenkmal von innen bestaunen. Peesten ist mit der prächtigen Tanzlinde am Dorfplatz, umgeben von Schloss und Kirche wieder zu einem echten Geheimtipp für einen schönen Ausflug geworden. 2007/08 gab es für diese Bemühungen um den Erhalt und die Pflege des Dorfbildes den Sonderpreis des Bayerischen Staatsministeriums für Landwirtschaft und Forsten.

Auf den Internetseiten des Förderkreises Tanzlinde Peesten findet man neben zahlreichen historischen Fotos auch Beschreibungen über den traditionellen Ablauf der Lindenkirchweih in Peesten. Vor allem die Kerwaburschen tragen noch heute ein überliefertes Gewand aus dunkler Hose, weißem Hemd und Hut. Der Oberortsbursche war sofort durch seinen mit Blumen verziertem Zylinder und eine weiße, schräg um die Hüften gewickelten Schürze zu erkennen. Diese wird heute von allen jungen Männern getragen. Die Kerwasmadla trugen dazu passende Sommerkleider, heute auch durch Trachtenkleider ersetzt.

Wer sich das schöne Tanzfest anschauen oder auch mittanzen möchte, ist herzlich eingeladen.

Übrigens verbindet ein schöner Radweg die Peestener Tanzlinde mit ihren Nachbarinnen in Limmersdorf und Langenstadt. Auf einer Strecke von 31 km erreicht man drei “betanzte” Tanzlinden, eine Einzigartigkeit, die wohl nur im Landkreis Kulmbach vorzufinden ist. Die Strecke verläuft teils auf bereit vorhandenen Radwegen, teils auf Wirtschaftswegen und Ortsverbindungsstraßen und nur wo es sich nicht umgehen lässt auf Kreisstraßen. Der Radweg wurde vom Tourismusverein “Die Romantischen Drei” konzipiert und mit Unterstützung des Landratsamtes sowie der drei Tanzlindenvereine erarbeitet.

Der Radweg wurde 2012 in die Radwegkarten des Landkreises Kulmbach unter der Bezeichnung Tanzlindenradrundweg KU 16 aufgenommen. Zudem gibt der Tourismusverein Kasendorf-Thurnau-Wonsees einen handlichen Flyer mit der eingezeichneten Wegstrecke heraus.

Kulinarisches:

Das Peestener Tanzlindenfest folgt dem Ablauf einer traditionellen Kirchweih.

Selbstverständlich gehören dazu auch typische Kirchweihspezialitäten, wie sie in Oberfranken seit jeher der Brauch sind. So wird z.B. am Kirchweihdonnerstag “Schwarzfleisch mit Baamwollna” serviert. Es folgen an den weiteren Tagen verschiedene Kerwabraten mit Klößen und Kraut sowie Kaffee und hausgemachte Kuchen, Peestener Krapfen und Harische. Im Dorfhaus (betrieben von der Interessensgemeinschaft “Dorfhaus”) und im Festzelt herrscht am Donnerstag-, Freitag- und Montagabend Kerwabetrieb mit den oben beschriebenen Speiseangeboten.

Das umfangreiche Programm finden Sie hier: http://www.tanzlinde-peesten.de/

Termin:

Die Peestener Lindenkirchweih findet jährlich rund um den 2. Sonntag im Juni statt.

Saison:

im Juni

Links:

http://www.tanzlinde-peesten.de
http://www.dieromantischendrei.de/download/tanzlinden_radweg.pdf

Erlebnis

Peesten: Zur Lindenkirchweih mit Tanz auf der Linde

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