Limmersdorf: Besuch im Tanzlindenmuseum

Landkreis Kulmbach

In Limmersdorf bei Thurnau im Landkreis Kulmbach wurde als besondere Ausdrucksform dörflicher Kultur eine schöne Tanzlinde erhalten. Die jährlich um diesen vermutlich schon 1686 gepflanzten Baum stattfindende Lindenkirchweih ist das älteste bekannte Fest dieser Art, das in ununterbrochener Tradition seit 1729 stattfindet. Höhepunkt des Festes ist der “Plantanz” (“Plan” altfränkisch für “Platz”) unter der Linde und der sich daran anschließende Tanz auf dem hölzernen Tanzpodest (“Bruck”), das in den ersten Astkranz des imposanten Baumes eingebaut ist und nur zur Kirchweih “gebruckt” wird; ebenso wird die Treppe (“Lizza”) dort hinauf nur zur Kirchweih aufgestellt.

Aufgrund der Bedeutung der Limmersdorfer Linde und der Jahrhunderte alten Festtradition hat sich der Verein zur Erhaltung und Förderung der Limmersdorfer Kirchweihtradition – unterstützt vom Markt Thurnau – entschlossen, an diesem authentischen Ort ein lebendiges Museum zur Kultur der Tanzlinden in Deutschland zu errichten. In einem nahe der Linde gelegenen Ausstellungsgebäude wurde mit der Einweihung eines ersten kleinen Teils des Museums am 10. Juli 2011 begonnen, alle als Tanzlinden bezeichneten Bäume in Deutschland zu erfassen und nach verschiedenen Kriterien zu ordnen, um das Wissen zu Tradition und Brauchtum rund um diese Tanzlinden zusammenzugetragen und zu präsentieren. Bereits in den jetzt umgesetzten Anfängen ist erkennbar, dass hier eine wunderschöne Ausstellung entsteht, die dann selbstverständlich von der alten und einer bereits gepflanzten neuen Tanzlinde auf dem Dorfplatz wirkungsvoll ergänzt wird.

Wer will, kann von Limmersdorf aus auf dem Kernstück der “Deutschen Tanzlindenroute”, die ebenfalls vom Limmersdorfer Verein in Zusammenhang mit dem Tanzlindenmuseum entwickelt wird, über Langenstadt und Peesten bis zu den thüringischen Ortschaften Effelder, Sachsenbrunn und Oberstadt die letzten sechs Exemplare “klassischer Tanzlinden” besuchen.

Die drei oberfränkischen “klassischen” Tanzlinden im “Drei-Main-Land” (= die Region um den Zusammenfluss von Rotem und Weißen Main, die damit mehr oder weniger dem Gebiet des Landkreises Kulmbach entsprechen) in Limmersdorf, Langenstadt und Peesten, sind durch einen ausgeschilderten Radrundweg von ca. 31 km Länge entlang kleiner Landstraßen miteinander verbunden und in einer Tagestour bequem abzufahren.

Das kleine Tanzlindenmuseum in Limmersdorf stellt bereits jetzt in Bildern einige der erhaltenen Tanzlinden und die Tanzlindenroute dar und wird später vieles erzählen zu altem Brauchtum und frohen Festlichkeiten. Anhand von Bilddokumenten, Videopräsentationen, lebendiger Erzählung oder einfach durch das Erlebnis der alten Linde auf dem Dorfplatz wird den Besuchern eine besondere Form dörflicher Kultur und Gemeinschaft nahegebracht, die wohl kaum an einem anderen Ort so lebendig erhalten ist wie in Limmersdorf. Deshalb lohnt sich der Ausflug hierher ganz besonders, auch außerhalb des Lindentanzes zur Kirchweih.

Alte Bäume, und hier eben besonders alte Linden sind vielerorts ein besonderes Merkmal der dörflichen Strukturen. Über die Jahrhunderte waren und sind sie sie in unterschiedlichen Formen Mittelpunkt des Dorfes und standen damit auch im Mittelpunkt dörflicher Feste und Bräuche. Ihren Ursprung haben sie möglicherweise in Baumpflanzungen an Gerichts- und Versammlungsorten.

Als besondere Ausprägung dieser Kultur hat sich, besonders in Oberfranken und Thüringen sowie im Hohenloher Land und einigen Regionen Hessens, die Spielart der “Tanzlinde” entwickelt: Die Bäume wurden kunstvoll zu Baumhäusern, lebendigen Pavillons oder Lauben geleitet – und mancherorts, als Krönung dieser Kunst sozusagen, zu Tanzlinden ausgebaut.

Als “Tanzlinden im engeren (klassischen) Sinn” werden somit die Bäume in der besondere Form der geleiteten Linde bezeichnet, deren Astkränze ein hölzernes Tanzpodest tragen, damit gewissermaßen in der Baumkrone getanzt werden kann.

Im weiteren Sinn zählen solche Bäume als Tanzlinden, bei denen die unteren Äste schirmförmig über einen Tanzplatz am Boden um die Linde geleitet werden. Ein Beispiel dafür findet sich in Isling bei Lichtenfels.

Erhalten sind leider nur noch wenige dieser imposanten Baumdenkmäler. Und nur an ganz wenigen Orten wird bis heute noch auf der Linde getanzt. (Anmerkung: Unter den Linden wird noch an vielen Orten getanzt; das haben wir noch nicht erfasst und können deshalb auch nur eine Aussage zum Tanz auf der Linde machen).

Darüber hinaus gibt es noch zahlreiche, inzwischen oftmals uralte Bäume, die auf den Dorfplätzen in der Nähe eines Tanzbodens gepflanzt wurden.

Kulinarisches:

Die Limmersdorfer Tanzkirchweih pflegt in ihrem Ablauf die typischen Formen fränkischer Kirchweih. Natürlich gehören dazu auch die typischen Kirchweihspezialitäten, die es früher tatsächlich nur an ausgewählten Festtagen und nicht das ganze Jahr über zu essen gab.

Im Limmersdorfer Tanzlindenmuseum soll in einer Abteilung „Kirchweihmuseum“ später auch dem Thema “Essen und Trinken” ein besonderes Kapitel gewidmet werden. Aus älteren Ablaufbeschreibungen, die das (inzwischen) sechstägige Kirchweihfest dokumentieren, lässt sich genau rekonstruieren, was zur Kirchweih aufgetragen wurde.

Wie überall zur Kirchweih in Franken begannen die Festlichkeiten am Donnerstag und Freitag mit schlachtfrischen Spezialitäten (“Schüpf, Krenfleisch, Siedwörscht “) in den örtlichen Gastwirtschaften. Übriggeblieben davon ist bis heute die seit ca. 1813 bestehenden “Pöhlmann´sche Gastwirtschaft – Zur Realen Schenkgerechtigkeit“, einem urigen fränkisches Wirtshaus mit einmaliger Biergarten-Laube, natürlich auch aus geleiteten Linden, das in 7. Generation nun von Veit Pöhlmann betrieben wird.

Im Ausschank dominiert das Festbier, eine etwas malzbetonte fränkische Bierspezialität, die bis heute nur zu besonderen Anlässen gebraut und ausgeschenkt wird.

Am Lindenplatz werden dann an den Tagen der Lindenkirchweih die zu fränkischen Kirchweihen üblichen Bratwürste, Fischbrötchen und z. B. Käsestangen angeboten; am Sonntag nachmittag gibt´s auch Kaffee und Kuchen.

Beschreibung der traditionellen Lindenkirchweih in Limmersdorf:

Mit dem Anstich des ersten Fasses beginnt am Samstag nach dem Feierabendläuten und dem Kirchenkonzert die Lindenkirchweih am “Plootz”.

Nach dem Festgottesdienst am Sonntag und am darauf folgenden Montag holen sich die Tanzpaare im Rahmen des Festzuges gegenseitig von zu Hause ab (“Rumspielen”). Dabei wird “zum Tanz aufgespielt”. Und anschließend den Gästen eine kleine Erfrischung gereicht.

Beim Marsch durch das ganze Dorf wird ein blumengeschmückter Hammel (“Plootzhem`l “) und eine mit Bier gefüllte, kunstvoll bemalte Gießkanne, der Biersprenger mitgeführt, zum Nachfüllen der handbemalten Bierkrüge der Plootzborsch`n, die davon auch die Besucher reichlich kosten lassen.

Am Montagmorgen fand früher in einem Dorfwirtshaus der Frühschoppen statt, bei dem es nur Bier und “Blaug`sud`na” (in Essig-Zwiebel-Sud erhitzte fränkische Bratwürste) gibt. Inzwischen wurde der Frühschoppen an den “Plootz” verlegt und ist nach wie vor ein unverzichtbarer, charakteristischer Teil der Limmersdorfer Lindenkirchweih.

Nach dem Tanz am Montag abend wird dann der “Plootzhem`l” verlost und mit Marschmusik zum neuen Besitzer begleitet – wenn`s nicht zu weit ist.

Zum Kirchweih-Ausklang am Dienstag Abend gehört neben einer humorvollen “Predigt” des “Kerwa-Pfarrers” auch das Versteigern des Biersprengers samt Füllung.

Anmerkung: Die Limmersdorfer legen großen Wert auf die Bezeichnung “Kirchweih”, da die Verbindung zu der “Kirchweihe” immer noch gepflegt wird – im Gegensatz zu mancher “Kerwa”, die als Dorffest ohne Kirche stattfindet. Beim “Kerwa begrom” am Dienstag Abend ist jedoch die Bezeichnung “Kerwa” korrekt, da dieser Festtteil nichts mit der eigentlichen Kirchweihe zu tun hat.

Termin:

Das Tanzlindenmuseum in Limmersdorf kann nach Voranmeldung besichtigt werden.

Nähere Auskünfte erteilt der 1. Vorsitzende des Vereins zur Erhaltung und Förderung der Limmersdorfer Tanzlinde Veit Pöhlmann unter:

Info@tanzlindenmuseum.de

Die Tanzlindenkerwa findet in Limmerdorf am 24. August statt, wenn dieser auf einen Sonntag fällt, ansonsten am Wochenende danach.

Saison:

ganzjährig

Links:

http://www.tanzlindenmuseum.de/

Erlebnis

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