Lauf bei Zapfendorf: Ein Blick ins Paradies – die Obstsortenanlage Lauf

Landkreis Bamberg

Dass Obstbaukultur keine “trockene Kost” ist, beweist ein Spaziergang über den 2012 eröffneten Streuobstlehrpfad des Kreisverbands Bamberg für Gartenbau und Landespflege rund um die Sortenanlage bei Lauf (Markt Zapfendorf). Das “Obstparadies Bamberger Land” lädt ein, die große Sortenvielfalt von Äpfeln und Birnen kennenzulernen sowie zahlreiche Tier- und Pflanzenarten zu entdecken, die auf der Streuobstwiese leben.

Um die Vielfalt alter Obstsorten im Bamberger Land dokumentieren und erhalten zu können, unterhält der Kreisverband Bamberg für Gartenbau und Landespflege seit 1988 in Lauf bei Zapfendorf eine Obstsortenanlage, auf der 200 verschiedene Apfel- und Birnensorten gedeihen. Im Jahr 2000 erweiterten die Obst- und Gartenbauvereine des Kreisverbandes den Bestand um weitere 116 Apfel- und Birnbäume in der Nähe von Roth. Hinzu kommt ab 2012 ein neu eingerichteter Streuobst-Lehrpfad, der vor Ort Wissen zum Wert des Lebensraums Streuobstwiese vermittelt.

Die Obstsortenanlage dient natürlich auch dazu, das vielseitige Sortenspektrum der Obstbäume als Kulturgut und genetisches Reservoir zu erhalten. Darüber hinaus gibt der Kreisverband Hilfestellung bei der Neuanlage von Obstwiesen, führt Schnittkurse durch und vermittelt Reiser aus den Obstanlagen. Die aufgepflanzten Sorten entstammen zu einem großen Teil der Sammlungstätigkeit des Diplom-Ingenieurs für Gartenbau Dr. Othmar Bayer aus Plankenfels, der im Raum Forchheim und Bamberg Reiser der vorhandenen Obstbäume sicherte und sie in umliegenden Baumschulen veredeln ließ. Hier sind sie heute alle vertreten, die Früchte mit den klangvollen Namen, die oft mit unserer Kindheit verbunden sind. Die Früchte, die ein Adelsprädikat besitzen, aber zu individuell sind, um Supermarkt-tauglich zu sein, wie: Kaiser Wilhelm, Kardinal Bea, Gräfin von Paris, Schöner von Nordhausen oder Minister Dr. Lucius, mal rotbackig, mal golden glänzend, von überraschenden, berauschenden, eigenwilligen und einzigartigen Geschmacksrichtungen, immer gesund und wohlschmeckend.

Es ist deshalb zur Obstblüte und in der Zeit der Ernte ein echtes Erlebnis über die Sortenanlage und den Streuobstlehrpfad bei Lauf zu wandern, um Vielfalt und Geschmacksreichtum alter Obstsorten zu bestaunen. Aber auch zu den übrigen Jahreszeiten bieten die ausgedehnten Streuobstwiesen als ökologische Nischen Raum für eindrucksvolle Naturbeobachtungen. So haben sie sich hier über die Jahre zum Lebensraum für über 3.000 verschiedene Tier- und Pflanzenarten entwickelt. Dies unterstreicht die Bedeutung der Anlage als natürliches und kulturhistorisches Reservoir und bestätigt die wertvolle Arbeit des Kreisverbandes für Gartenbau und Landespflege in der Region.

Informationen zu den vielfältigen Aktivitäten der Kreisfachberatung für Gartenbau und Landespflege finden Sie hier: https://www.kv-gartenbauvereine-bamberg.de/news/

Flyer: http://www.regionbamberg.de/images/stories/Textdownload/5Umweltbildung/obst_faltblatt.pdf

Ausgedehnte Streuobstanlagen prägten in früheren Zeiten ganze Regionen in Bayern. Sie sind daher ein bedeutsames Kulturerbe unserer Heimat. Auch in Oberfranken spielte der Obstanbau in der Lebensmittelgewinnung vor allem in den klimatisch begünstigten Gegenden eine wichtige Rolle. Im 18. und 19. Jahrhundert diente er vor allem der Verbesserung der oft kärglichen und einseitigen Lebensmittelversorgung der Bevölkerung.

Unter Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim wurden bereits Ende des 18. Jahrhunderts Obstbaumkulturen in den nicht mehr rentablen Weinbergen des Bamberger Landes angelegt. Der um die Landeskultur besorgte Franz Ludwig von Erthal ordnete im gesamten Bistum die Einrichtung von „Industriegärten“ an, die im Wortsinn der “fleißigen” Unterweisung von Buben und Mädchen in der Garten- und Obstbaumpflege dienten. Auch in der Ausbildung der Theologen wurden Garten- und Obstbau zu wichtigen Themen der Lehre. Jeder Theologiestudent musste entsprechende Seminare besuchen und zum Priesterseminar Bamberg gehörte sogar ein landwirtschaftliches Gut für die praktische Ausbildung der Kandidaten. Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts entwickelten sich dadurch viele Geistliche zu regelrechten Vorzeigelandwirten, die Obstbäume kultivierten und Bienen züchteten. Viele Pfarrer legten in ihren Gemeinden Obstplantagen an oder pflegten sie, veredelten Früchte, hielten Hühner, Schweine und Kühe. Als Respektspersonen waren sie für ihre Gemeindemitglieder geachtete Vorbilder und konnten dadurch die Neuerungen in der Landwirtschaft und im Obstbau an die Bevölkerung weitergeben.

Durch das „Baierische Landeskulturgesetz“ von 1803 wurde schließlich verordnet, dass jeder Haushalt mindestens zwei Obstbäume zu pflanzen und zu unterhalten habe. So entstanden ausgedehnte Streuobstwiesen, Streuobstäcker, Alleen und ganze Streuobstgürtel rund um die Dörfer und in jeder Region wurden eigene, den lokalen Gegebenheiten angepasste Obstsorten gezüchtet. Bis in die 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts blieben die Streuobstbestände auf annähernd gleichem Niveau, dann setzte ein dramatischer Verlust ein. EG-Rodungsprämien, Flurbereinigung, Umwandlung der Bestände in maschinengerechtes Ackerland oder in Intensiv-Obstplantagen, Überalterung, Straßenbau und massive Siedlungstätigkeit bedeuteten für die früher so wichtigen Streuobstwiesen das Ende.

Kulinarisches:

In der Obstsortenanlage Lauf hat der Kreisverband Bamberg für Gartenbau und Landespflege eine Vielzahl der Obstsorten zusammengetragen, die die Region hervorgebracht hat. Mit teils kuriosen, teils klangvollen Namen wie Schöner von Wiltshire, Schafsnase, Lütticher Ananaskalvill, Kaiser Wilhelm, Kardinal Bea, Gräfin von Paris, oder Minister Dr. Lucius bietet die Anlage eine einmalige Auswahl geschmackvoller und vor allem auch wunderschön anzuschauender Obstsorten. Oft wecken Geschmack und Geruch Kindheitserinnerungen.

Apfelsaft aus den Streuobstbeständen des Kreisverbandes kann man an verschiedenen Verkaufsstellen in der Region erwerben. Auskünfte erteilt die Bamberger Streuobst GbH-mbH unter folgenden Telefonnummern: (Hans-Jürgen Lips) 0951 5191718 und (Georg Eichhorn) 09503/7907.

Eine Liste der Verkaufsstellen finden Sie unter: https://www.stadt.bamberg.de/media/custom/332_4978_1.PDF

Termin:

Die Kreisfachberatung Bamberg bietet Führungen über die Obstwiese für Gruppen und Vereine von Frühjahr bis Herbst an, auf Wunsch von Frühjahr bis Sommer mit Saftverkostung, im Herbst mit Obstverkostung.

Kontakt: Kreisfachberater Uwe Hoff, Tel. 0951-85527, uwe.hoff@lra-ba.bayern.de

Am 2. Sonntag im Oktober findet an einem ausgewählten Ort im Bamberger Land der regionale Apfelmarkt statt, der sich inzwischen zum Besuchermagnet entwickelt hat. Mit einem bunten Markttreiben rund um den Apfel lädt der Markt ein, die Apfelernte in vollen Zügen zu genießen und sich über die Vielseitigkeit des heimischen Obstes zu informieren. Kulinarische Köstlichkeiten, Kinderaktionen und einen Einblick in traditionelles Handwerk und Kunsthandwerk runden das Angebot ab.

Saison:

ganzjährig

Links:

http://www.kv-gartenbauvereine-bamberg.de
https://www.stadt.bamberg.de/media/custom/332_4978_1.PDF
http://www.bezirksverband-ofr-gartenbau.de/docs/Einweihung_Streuobstlehrpfad_Lauf.pdf

Literatur:

Vom Pfarrgarten zur Streuobstwiese, http://www.fraenkische-schweiz-museum.de/sonderausstellungen

Erlebnis

Lauf bei Zapfendorf: Ein Blick ins Paradies – die Obstsortenanlage Lauf

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