Hof: Kulinarischer Stadtspaziergang durch die Altstadt

Hof

Für viele mag es noch ein Geheimtipp sein, aber die Stadt Hof in Bayerns kühlem Norden verdient so manche glühende Liebeserklärung!

2008 wurde der alte Kern um den mittelalterlichen Straßenmarkt (Altstadt) und die spätmittelalterliche planmäßige Stadterweiterung (Neustadt mit der Ludwigstraße) vom Zeit-Magazin zu den 300 bedeutendsten historischen Stadtensembles in Deutschland gezählt. Und in der Tat, das historische Hof hat viel zu bieten. Hier erfahren Sie mehr!

Ludwig- und Klosterstraße bilden, wie das Bayerische Denkmälerinventar erläutert, als breite Platzstraßen das räumliche Binnengerüst der Hofer Neustadt, eine Gründung der Herzöge von Andechs-Meranien, die einem Bergsporn innerhalb einer Saale-Schleife folgen. Im Typ entspricht der Stadtgrundriß damit einem geschlossenes Marktstraßensystem, das auch für altbayerische Stadtgründungen in der Zeit der Gotik als typisch angesehen werden kann. Im Zusammenschluss beider Straßen steht das Rathaus. Diese Straßenführung sowie die zugehörige, schmale und tiefe Parzellierung wurden beim Wiederaufbau der Stadt nach dem großen Brand von 1823 im Wesentlichen beibehalten. Die bis dahin noch giebelständigen Häuser wurden allerdings im Sinne des Klassizismus traufseitig und in begradigten Fluchten wiedererrichtet. Die teilweise über alten Grundmauern stehenden, neuen Bürgerhäuser veranschaulichen die vornehme Zurückhaltung biedermeierlicher Formgebung, die in erster Linie mit harmonischen Proportionverhältnissen arbeitet, Fläche und Kubus betont und nur sparsam mit Dekorationsmotiven umgeht. Das Ensemble ist in seiner geschlossenen, biedermeierlichen Erscheinungsweise in Bayern einzigartig.

Die Gelenkstelle beider Straßen wurde beim Wiederaufbau um 1825 durch den Architekten Georg Erhard Saher monumentalisiert: Die bis dahin hinter der östlichen Häuserzeile der Ludwigstraße verborgene Front der Stadtpfarrkirche wurde durch entsprechende Abbrüche freigelegt und als Abschlussprospekt der Klosterstraße inszeniert; dadurch bilden Kirche und Rathaus, auch Zeugen der allerersten Anfänge der Neugotik, mit ihren Türmen an diesem Schwerpunkt des Stadtorganismus eine Art “Stadtkrone”. – Besonders wirkungsvoll tritt diese als Silhouette in der Ansicht von Osten mit der über dem Saale-Hochufer errichtete Häuserzeile der Ludwigstraße, dem Hallenchor der Stadtpfarrkirche und den Türmen der “Stadtkrone” in Erscheinung. (Auszüge aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Baudenkmäler_in_Hof_(Saale))

Mit dem sukzessiven Anschluss an das überregionale Schienennetz verfügt die Stadt nicht nur über zwei Bahnhöfe (Bahnhof Hof-Neuhof von 1848 und Hauptbahnhof von 1874/80), sondern bildet einen wichtigen Kreuzungspunkt großer Hauptstrecken von und nach Bayern, Sachsen, Böhmen und in die Oberpfalz. Noch heute erinnern Bahnhofsgebäude, Lokschuppen sowie zahlreiche Streckenbauten an diese einstige Bedeutung. Entsprechend nahm die Hofer Wirtschaft einen rasanten Aufschwung durch Gründung und Ausbau großer Textilunternehmen (heute in der Textilgruppe Hof zusammengeschlossen) sowie zahlreicher Brauereien. Neben vielen repräsentativen Bauwerken dieser Zeit gehört die klassizistische Villa des Textilfabrikanten und Reichstagsabgeordneten Walter Münch-Ferber (1889) sowie das Parkensemble Theresienstein (ab 1819/36 gestaltet) mit dem weithin sichtbaren Gesellschaftsgebäude, einem Juwel im Jugendstil (1902), zu den herausragenden Schöpfungen ihrer Zeit.

Die Schließung des Eisernen Vorhangs zwischen Ost und West nach dem Zweiten Weltkrieg nahm Hof sein natürliches Umfeld. Mit der Vereinigung der Deutschen Länder 1990 und der Gründung der Tschechischen Republik 1993 konnten Stadt Landkreis Hof diese Randlage jedoch überwinden. Seither befinden sie sich auch politisch und wirtschaftlich wieder dort, wo sie geographisch schon immer gewesen sind: mitten im Herzen Europas. Auch Kultur und Bildung werden in Hof „groß“ geschrieben. Ob Theater oder Hofer Symphoniker mit angeschlossener innovativer Musik- und Kunstschule, ob Hofer Film- oder Kabaretttage, ob Kulturkreis, Kunstverein Hofer Museen oder Hofer Podium Junge Kunst Europa und Hofer Freiheitshalle, ob Hochschule, Fachhochschule, Gymnasien, Realschulen und vieles mehr – auch in Sachen Kultur und Bildung ist Hof hervorragend aufgestellt.

Kulinarisches:

Ohne Zweifel – Hof hat Potential und ist so manche Reise wert. Und dies gilt ganz besonders auch in kulinarischer Hinsicht. Denn die Stadt an der Saale ist geradezu ein Paradies für Liebhaber oberfränkischer Spezialitäten.

Beginnen wir unseren kulinarischen Stadtspaziergang bei den legendären Hofer Wurstwaren. Traditionell gab es im Hofer Land viele gute Landmetzger, die die lange ausgemästeten Schweine der Bauern nach individuellen Rezepten zu schmackhaften Spezialitäten verarbeiteten. Schon bald ließen sich einige dieser Metzger auch in der Stadt nieder und fanden auch hier begeisterte Kunden. Zur Palette der nach ländlichen Rezepten hergestellten Kochwürste gehören die Hausmacher Leberwurst oder der klassische Hofer Leberpreßsack. Mit ein paar Scheiben vom zarten, sorgsam eingelegten Hausmacher Schinken oder mit einem Stück Mettwurst wird daraus eine zünftige Brotzeit von unverwechselbarem Geschmack. Heiß begehrt als zweites Frühstück oder zünftiges Mittagessen ist der Hofer Leberkäse, der hier nach einer besonderen Rezeptur hergestellt wird. Oder aber die Hofer Bratwürste: in der Saalestadt bestehen sie aus feinem, mageren Brät, sind von länglicher, dünner Form und mit Zitrone, Salz, Pfeffer und Muskat gewürzt.

Einmalig und nur in Hof zuhause, ist der Beruf des Hofer Wärschtlamo (Würstchen-Mann). Die originelle Tradition des Wärschtlamo geht ins Jahr 1881 zurück, als ein Metzger auf die Idee kam, seinen Mitarbeiter Johann Georg Jahn, der Jahn’s Gerch, mit “haßn Hofern” auf Tour zu schicken. Schon bald wurde er mit dem typischen “Wärschtlamo-Oziezeich” aus wetterfester “lederna Jubbm“, “weissa Scherzn” und “Patschkappn” ausgestattet, das die Hofer Wärschtlamo-Männer noch heute tragen. Dazu kommt der originale Hofer Wurstkessel aus Messing und ein Henkelkorb mit „Laabla”. Natürlich stellen die Hofer Metzger auch ganz besondere Wärschtlamo-Wärschtla her. Das sind “Wienerla”, “Gnagger”, “Bauern” und “Weissa”, die je nach Geschmack mit oder ohne Senf gegessen werden. Sie werden etwas kräftiger gewürzt, um den guten Geschmack im Kessel zu bewahren. Dazu hat aber auch jeder Wärschtlamo noch ein eigenes Rezept, um das volle Wurstaroma zu erhalten. Auch deshalb werden sie übrigens nicht im Wasser, sondern im Dampf erhitzt, denn in Hof versteht man einfach etwas von Würsten!

Wie früher haben die Wärschtlamo-Männer ihre festen Standplätze in der Stadt oder besuchen ausgewählte Betriebe und Büros. Mit durchdringendem Pfiff pflegen sie ihr Erscheinen kundzutun, wie es schon ihre Stammväter getan haben. Meist schallt dann auch noch der Ruf “Haaß sensa – kalt wernsa” durch die Hausgänge. Also aufgepasst: den Hofer Wärschtlamo sollte man nicht verpassen!

Kommen wir schließlich zum Aushängeschild der Hofer Metzger, der Hofer Rindfleischwurst, die 2011 in das europäische Register der regionaltypischen Spezialitäten aufgenommen wurde. Seither ist der Name der feinen Wurst eine geschützte geographische Angabe, weshalb sie nach der Originalrezeptur von 1920 /50 aus ausgewähltem, bestem Rindfleisch nur in Hof und im Hofer Landkreis hergestellt werden darf.

Die guten Hofer Wurstwaren können Sie u.a. bei folgenden Betrieben erwerben: Metzgereien Herpich, Krafft, Leupold, Lochner, Luckner, Max. Oettler, Preussner, Schiller, Schimmel, Spring und Thüroff.

Auch die Bäcker in und um Hof verstehen sich auf den guten Geschmack und liefern z.B. mit einem kräftigen Natursauerteigbrot aus 80% Roggen, einer großen Auswahl röscher Laabla, Weggla und Semmeln oder aber mit den aromatischen Anisbrezeln immer die passende Unterlage zur Wurst. Auch die großen runden Festtagskuchen aus Hefe mit unterschiedlichem Belag haben hierzulande Tradition. Wie in vielen evangelischen Regionen werden diese Kuchen gerne zu Hochzeit, Taufe, Konfirmation und anderen Gelegenheiten gebacken und an die Nachbarschaft ausgetragen. Auch Küchla (ausgezogene Krapfen) dürfen zu solchen Anlässen oder zur Kerwa nicht fehlen. In der Osterzeit werden die Kunden mit süßem Osterbrot, Osterzöpfen sowie liebevoll gefertigten Osterlämmern verwöhnt. Und in der Advents- und Weihnachtszeit locken Lebkuchen und die typischen Hofer Stollen mit feinem Bittermandel-Geschmack. Aber auch feinste Konditoreiprodukte wie Torten, Pralinen und hausgemachte Schokolade aus fair gehandelten Rohstoffen gehören zum verführerischen Angebot und lassen so manches Herz höher schlagen.

Zu den Hofer Handwerksbetrieben unter den eingesessenen Bäckereien zählen folgende Betriebe: Bäckerei Dörsch, Fickenscher’s Backhaus, Bäckereien Gebhardt, Graf, Hader, Heinrich, Kaiser, Knihs, Lang und Laubmann, Müllers Backhäusle sowie Bäckereien Pültz, Reinel, Richter, Scherf, Schirner, Thiel und die beiden Konditoreien Müller und Vetter. Letztere hat sich auf die Herstellung feinster Schokoladenspazialitäten aus fair-trade-Rohstoffen konzentriert. Eine Hofer Schokolade in verschiedenen Geschmacksrichtungen oder edle Pralinen sind ein ideales Mitbringsel!

Unter den warmen Speisen stehen Gerichte wie Hofer Schnitz (ein Eintopfessen, gut mit Majoran gewürzt, denn die Hofer sind zum Unterschied zu vielen Oberfranken Majoranesser!) und Hofer Schwaaß (gebackenes Blut) in der Tradition der ländlichen Küche, als viele Haushalte noch einen eigenen Küchengarten hatten und regelmäßig selbst schlachteten. Auch die phantastische Vielzahl an Kartoffelgerichten kommt aus dieser Richtung, denn immerhin gehört die Gemeinde Pilgramsreuth im Hofer Land zu den ältesten Kartoffelanbauregionen in Mitteleuropa. Auch von der Münchberger Hochfläche kommen noch heute besonders aromatische Kartoffeln, die in der regionalen Küche nicht fehlen sollten. Ob „Glees“ in verschiedenen Varianten, Baggela, Stampf, Erpflsuppn und vieles mehr, Kartoffeln sind schlichtweg ein Grundbaustein der oberfränkischen Küche.

Natürlich isst man in und um Hof auch gerne Braten aller Art, wie Sauerbraten mit traditioneller Lebkuchen-Soße, Schweinebraten, Rouladen, verschiedene Sorten Fisch oder Wild aus heimischen Revieren. Die Hofer Küche ist ehrlich, bodenständig, geradeaus – und steckt doch auch immer wieder voller kulinarischer Überraschungen.

Folgende Gaststätten in Hof bieten fränkische Küche an: die Altdeutsche Bierstube, die Gasthöfe Deutsche Flotte, Falter, Freie Scholle, Grüner Baum und Rotes Roß, die Gaststätte Konrad Zelt, Meinels Bas, Schützenhaus Jägersruh, Schießhäuschen und Weinkiste sowie die Restaurants Hotel Strauß, Kastaniengarten Libertas, Munzert und Zum Kreuzstein.

Die Stadt Hof plant übrigens eine Rezeptbörse z.B. auf dem Hofer Wochenmarkt zu gründen. Welche Gerichte in Hof auf den Tisch kommen erfährt man dann zukünftig am besten bei einem Bummel über den Markt auf dem Maxplatz. Da spricht man gerne über “Schwammabrieh”, “Ballnglees”, “ausgezonga Pfannakung”, “Kümmelstella”, gebackenes Blut, Gansjung, Speckfett oder “Schlauchbrieh mit Ochsenaugen”. Man erfährt die besten Anbaumethoden von Majoran, dem Lieblingsgewürz der Hofer, und bekommt Tipps, falls einmal der Köchkäs’ nicht gelingen sollte.

Doch manche Hausfrau, die stolz erzählt, wie viele ihrer “Glees” am Sonntag verzehrt werden, verstummt auf die Frage nach den Zutaten für ihre echten Hofer Schnitz – die sind ein streng gehütetes Familiengeheimnis!”

Und wie überall gehört zu all diesen Köstlichkeiten auch immer ein frisches Bier aus einer der ansässigen Brauereien. In Hof darf man sich in Sachen Biervielfalt auf so manche Überraschung gefasst machen. Die beiden Hofer Brauereien Meinel und Scherdel gehen beide aus der alten Komunbrautradition hervor und produzieren noch in ihren charakteristischen denkmalgeschützten Gebäuden.

Seit 1731 braut man – inzwischen in der 12. Generation – bei Meinels. Das ehemals zugehörige Wirtshaus, Meinels Bas, ist inzwischen verpachtet, gehört aber immer noch zu den Hofer Traditionsgaststätten mit viel Flair. Bei Meinels hat man sich statt dessen aufs Bierbrauen, vorzüglich aus heimischen Rohstoffen, konzentriert und produziert eine Geschmacksvielfalt, um die man die Hofer anderswo beneidet. Jung-Braumeisterin Moni Meinel-Hansen ist zudem ausgebildete Bier-Sommeliere und berät Sie gerne in Sachen Bier-Kulinarik.

Genau 100 Jahre jünger ist die Brauerei Scherdel. Der Gründer, Bäckermeister Georg Matthäus Scherdel, braute seit 1831 zunächst im Hofer Kommunbrauhaus und bald danach in der eigenen Brauerei in der Hofer Vorstadt. Auch Scherdel verwendet ausgewählte regionale Rohstoffe und konzentrierte sich schon frühzeitig auf einen überregionalen Absatz der süffigen Biere. Auch hier ist man stolz auf die Zahl von 13 selbst gebrauten Bierspezialitäten, darunter das Hofer Schlappenbier.

Zu den ältesten Brauereien Oberfrankens überhaupt gehört schließlich die Schloßbrauerei Stelzer in Fattigau. Seit 1353 wird hier Bier gebraut und seit 1900 ist der Betrieb im Besitz der Familie Stelzer, die übrigens als erste Brauerei Oberfrankens mit Bioland-Rohstoffen aus kontrolliertem ökologischem Landbau ein Bier herstellte.

Ob Sie also in Hof Ihr Bier nach dem Charakter und in feinen Aromen passend zum Essen wählen wollen oder ob Sie Wert auf regionale Rohstoffe und Bioland-Qualität legen, in Hof und Umgebung finden Sie garantiert ihr Lieblingsbier.

Termin:

Und für alle, die Brauchtum zu schätzen wissen noch ein Tipp: Kommen Sie doch mal zum Hofer Schlappentag. Das originelle Fest hat seinen Ursprung in der Verpflichtung der Hofer Schützengilde, sich einmal im Jahr auf der Schießstätte zu üben, um im Ernstfall zur Verteidigung der Stadt dienen zu können. Denn 1430 war Hof von den Hussiten zerstört worden und die anschließende Steuerbefreiung durch die Markgrafen von Brandenburg knüpfte an die Bedingung, dass die Bürger zu ihrer Verteidigung selbst beitragen sollten. Am “Montag nach Trinitatis”, also eine Woche nach dem Pfingstmontag war hierzu für die säumigen Schützen die letztmalige Gelegenheit und so eilten sie in ihrer Arbeitskleidung und mit Holzschlappen auf den Schießstand, um ihrer Pflicht zu genügen. Der Hofer Schlappentag wird nunmehr seit fast 600 Jahren von der Privilegierten Scheiben-Schützen-Gesellschaft von 1432 (als Nachfolgerin der Hofer Schützenkompanie) durchgeführt. Der Ablauf folgt einem bewährten Reglement vom morgendlichen Weckruf, über die Versammlung der Handwerkszünfte und Schützen am Schießhäuschen, den Festumzug mit Vertretern aus Politik, Handwerk und Schützen zum Festplatz und anschließendem Schlappenbier-Anstich. Dieses süffige Starkbier wird nach altem Rezept nur für diesen Tag gebraut und ausgeschenkt. Dazu gibt es die guten Hofer Bratwürste.

Saison:

Montag nach Trinitatis (1. Montag nach Pfingsten)

Links:

https://www.hof.de/hof/hof_deu/hof-tourismus.html
http://www.hof.de/hof/hof_deu/leben/schlappentag.html

Erlebnis

Hof: Kulinarischer Stadtspaziergang durch die Altstadt

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