Haßberge: Wandern zwischen Weingenuss und Bierkultur – Erlebnistour vom Kreuzberg bei Dörfleins zur Helenenkapelle und den Bierkellern bei Kemmern

Fränkische Hassberge, Landkreis Bamberg

Ein wunderschöner Tourenvorschlag kommt vom Naturpark Haßberge und führt auf dem Gebiet der Gemeinden Dörfleins und Kemmern an den südöstlichen Rand der Haßberge.

Der Naturpark Haßberge hat in dieser erlebnisreichen Landschaft verschiedene Wanderwege ausgeschildert und als Erlebniswege mit informativen Tafeln illustriert. Auf dem Streckenabschnitt von Dörfleins über den Kreuzberg zu den Ruinen der alten Helenenkapelle bei Kemmern und zurück über die Bierkeller am Main erfährt man, dargestellt an der Geschichte von Wein und Hopfen, viel Wissenswertes und Spannendes über Landschaft und Kultur der Region. Auf dem Weg laden verschiedene Kellerwirtschaften in den Sommermonaten zur idyllischen Einkehr ein.

Unter: http://www.naturpark-hassberge.de/fileadmin/data/rundwanderweg/doefleins.pdf finden Sie einen Flyer mit Streckenkarte mit den wichtigsten Informationen für diese Tour. Über die Stadtbuslinie 904 (Mo – Sa Vormittag) sowie ab Bahnhof Hallstadt ist die Route gut an das öffentliche Verkehrsnetz angebunden.

In der charakteristischen Kulturlandschaft des Bamberger Talkessels sind die alten Wein- und Hopfgärten, die in der Nachfolgekultur vor allem durch Streuobstanbau genutzt wurden, vielfach sichtbar geblieben. Aufgrund einer weitgehend extensiven Bewirtschaftung spiegeln sie mit ihren typischen schmalen, hangsenkrecht gelegenen Parzellen nicht nur einen wichtigen Teil der kulturlandschaftlichen Entwicklung der Region, sondern gehören heute auch zu den besonders wertvollen Rückzugsräumen seltener Tier- und Pflanzenarten.

Es gehört heute zu den Besonderheiten dieses Kulturlandschaftsraumes, dass sich hier die letzten Zeugnisse der wesentlich älteren und einstmals bedeutenden Weinbautradition Oberfrankens mit der jüngeren Kultur des oberfränkischen Hausbrauwesens überlagern. So finden sich neben rezenten, erstmals im Mittelalter bezeugten Weinbergslagen mit alten Trockenmauern und malerischen Weinhüterhäuschen, Kellergassen, Kellerhäuschen, Sommerbierkeller und Kegelbahnen, die seit dem 18. Jahrhundert für die kühle Lagerung und den Genuss des Gerstensaftes errichtet wurden. Und natürlich werden mehrere dieser sehr idyllischen, leicht erhöht über dem Maintal gelegenen Bierkeller in den warmen Monaten des Jahres auch noch von den örtlichen Brauereien aus bewirtschaftet. Also auf zu den Bierkellern nach Dörfleins und Kemmern. Es lohnt sich!

Von Dörfleins aus führen mehrere Wanderwege und ein ausgeschilderter Naturlehrpfad durch ein eindrucksvolles Hohlwegsystem am Fuß des Vorderen Rauhbergs hinauf zum Panoramablick und zum Kreuzbergtempel. Im anstehenden weichen Felsgestein sind zahlreiche alte Felsenkeller erhalten, die heute vor allem als Fledermausquartiere Bedeutung haben. Tritt man etwa auf halber Höhe aus dem Wald heraus findet man hier eine offene Landschaft mit schönen Streuobstbeständen, Magerrasenflächen, Hecken und Kleingärten. Die blumenreichen Wiesen werden mehrmals im Jahr von der Schafherde des Schäfers König aus Oberharnsbach beweidet. Diese extensive Bewirtschaftung trägt zum Erhalt eines überwältigenden Artenreichtums in Flora und Fauna auf diesen Flächen bei. Auf verschiedenen kindgerechten Informationstafeln werden diese Zusammenhänge anschaulich erklärt. Wer den Kreuzberg bei Dörfleins erwandern will, sollte festes Schuhwerk anziehen und sich im Sommer bei feucht-warmer Witterung mit ausreichend Mückenschutzmitteln bewaffnen. Doch entschädigt diese kleinen Beeinträchtigungen ein herrlicher Aufenthalt in einer wunderschönen Landschaft mit großartigen Panoramaausblicken über das Maintal bis nach Bamberg und in die Haßberge.

Wer etwas mehr Zeit mitbringt, fährt von Dörfleins mainabwärts weiter nach Oberhaid. Zwischen Ober- und Unterhaid finden sich erste Zeugnisse des Weinanbaus, der hier in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts wiederbelebt wurde. So wurden mehrere Weingärten in der Gemarkung der Gemeinde Oberhaid in privater Initiative neu angelegt. In den Ortsteilen Unterhaid und Staffelbach wird der Weinbau seit einigen Jahrzehnten auch wieder gewerbsmäßig betrieben. Typisch für die alte und neue Struktur dieser Weingärten sind ihre senkrecht zum Hang verlaufenden Parzellierungen, die bei mäßiger Steigung durch Stufen und Stützmauern unterbrochen werden. Die Hangkuppen werden von wärmenden Eichen-Kiefer-Mischwäldern bedeckt. Häufig säumen Hecken und naturnahe Wiesen sowie Krautränder die Weingärten. In Unterhaid gab die Flurbezeichnung “Abendröthe” der Weinlage “Unterhaider Röthla” den Namen. Die Lagebezeichnung des “Staffelbacher Spitzlbergs” entstand aus der unmittelbaren Lage unterhalb des gleichnamigen Berges. Hier, wie am benachbarten Kunkelsbühl wurden inzwischen Teile der alten Weinbergsanlagen mit ihren Stufenterrassen und Trockenstützmauern als Naturschutzgebiete ausgewiesen. So finden sich z.B. auf den begleitenden, wärmeliebenden Krautsäumen sowie auf den Halbtrocken- und Sandmagerrasen noch zahlreiche Exemplare einer besonderen Flora und Fauna, die inzwischen zu den vom Aussterben bedrohten Arten gehören, wie die Astige Graslilie, Rapunzel-Glockenblume, der Rauhaarige Alant, Hirschwurz, Weinbergslauch und Weinbergstulpen sowie Knabenkraut, Berg-Haarstrang und viele mehr.

Wir sind daher der Meinung, dass dieses einmalige Ambiente unbedingt eine Erwähnung verdient, zumal die erzeugten Weine von beachtlicher Qualität sind. Man kann sie vor Ort in verschiedenen urigen Häckerwirtschaften direkt beim Erzeuger, auf einem inzwischen auch überregional bekannten Hofschoppenfest im September oder in verschiedenen Gaststätten der Region genießen.

Kulinarisches:

Tiefe Felsenkeller, die vorzugsweise im ansteigenden Gelände angelegt wurden, nutze man schon vor Jahrhunderten zur kühlen Lagerung von Lebensmitteln. Da in vergangener Zeit im Sommer kein Bier gebraut werden konnte, suchten auch die Brauer nach Möglichkeiten, den frischen Gerstensaft möglichst kühl zu lagern und damit haltbar zu machen. In den kühlen und feuchten Felsenkellern der Region steigen die Temperaturen auch in den Sommermonaten meistens nicht in den zweistelligen Bereich. Um den Effekt zu verstärken, lagerte man im Winter zusätzlich geschnittene Eisblöcke in die Keller, die dann ebenfalls noch lange Zeit für Kühlung sorgten.

Das gesteigerte Freizeitbedürfnis der Einwohner von Stadt und Land veranlasste im 19. Jahrhundert viele Bierbrauer dazu auf ihren schön gelegenen Kellern Tische und Bänke aufzustellen und das kühle Bier gleich an Ort und Stelle unter schattigen Bäumen auszuschenken. Häufig wurden dazu auch Kegelbahnen oder Musikpavillons errichtet, und so wanderten die Erholungssuchenden an den Wochenenden hinaus zu den Kellern. Häufig brachte man sich dazu die Brotzeit auch selbst mit, was bis heute ein ungeschriebenes Recht auf vielen Kellern geblieben ist. Wer aber lieber unbeschwert wandert, erhält heute (fast) überall auch das hierzulande typische Angebot an kalten und warmen Kellerspezialitäten.

Heute werden aufgelassene Felsenkeller gerne von Fledermäusen bewohnt, die bei einbrechender Dunkelheit gerne auf die Jagd nach zahlreichen Insekten gehen. Um die seltenen Tiere zu schonen, sollten Besucher der noch bewirtschafteten Bierkeller die Hohlwege zu dieser Tageszeit meiden.

Die wertvollen und artenreichen Magerwiesen am Kreuzberg werden von einer Schafherde der Schäferei König aus Oberharnsbach beweidet. Fleisch dieser Tiere wird (leider noch viel zu wenig) in verschiedenen Metzgereien zu Ostern angeboten.

Saison:

ganzjährig

Links:

http://www.naturpark-hassberge.de/fileadmin/data/rundwanderweg/doefleins.pdf

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