Hallerstein: Zum Handwerkerfest

Landkreis Hof

Trotz Hightech und virtual world scheint es sich als Trend zu bestätigen, dass die Faszination von echtem Handwerk (wieder) Tausende begeistern und in den Bann schlagen kann. Wer schaut nicht gerne den Kennern und Könnern alter Handwerke über die Schulter und lässt sich von der Sicherheit ihrer Kunstfertigkeit beindrucken. Und wer hat noch nie ein von Hand gefertigtes Stück auf einem Handwerkermarkt erworben, mit Stolz nach hause getragen und seither liebevoll verwendet?

Unter den verschiedenen Veranstaltungen, die diesem Trend folgen, ist das seit 1986 im zweijährigem Rhythmus am 3. Sonntag im August stattfindende Handwerkerfest in Hallerstein eines der ältesten und schönsten. Denn hier inszeniert sich gewissermaßen ein ganzes Dorf unter Einbeziehung öffentlicher Straßen und Plätze wie vieler privater Gärten, Toreinfahrten, Scheunen und Hauseingänge und stellt Handwerkskünste und Handwerkserzeugnisse vor, die eine besondere regionale Tradition haben oder nur noch von wenigen Personen tradiert werden. Dabei geht es den Hallersteinern nicht um Nostalgie, sondern um das Bemühen, die handwerklich-technischen Kenntnisse am Ort lebendig zu erhalten. Als man z.B. auf einen alten Pechstein im Ort aufmerksam wurde, erlernten einzelne Vereinsmitglieder kurzerhand die in der Region ursprünglich verbreitete Kunst des Pechbrennens, um sie anlässlich des 3. Handwerkerfestes 1989 den begeisterten Zuschauern wieder vorführen zu können.

Treibende Kräfte in der Ideenfindung, Organisation und Durchführung des Festes waren von Anfang an die Freiwillige Feuerwehr Hallerstein sowie seit 1989 der extra zur Durchführung des Handwerkerfestes gegründete Heimat- und Kulturverein e.V. Von beiden Institutionen geht seither auch ein starker Impuls auf das Dorfleben allgemein aus. Denn nicht zuletzt aus der Begeisterung der inzwischen über 10.000 Festbesucher, die Hallerstein als einen authentischen Ort erleben, entwickelte sich ein eindrucksvolles Engagement für Erhalt und Pflege des Ortsbildes wie für den Erwerb verschiedener Gerätschaften und Utensilien, die alte handwerkliche und bäuerliche Techniken dokumentieren. Beispielhaft hierfür sind die Instandsetzungen des Burghauses und des Burgareals Hallerstein sowie des alten Raiffeisen-Lagerhauses, in dem seither viele einzigartige Stücke verwahrt werden.

Für dieses Engagement wurde Hallerstein 1995 der von der Raiffeisenbank gestiftete Bayerische Heimatpreis verliehen. 1999 belegte der Ort sogar im Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden, unser Dorf hat Zukunft“ im Landkreis Hof den ersten Platz, wobei die Jurymitglieder insbesondere die vielen Aktivitäten der Dorfgemeinschaft würdigten.

Liebhaber alter und junger Handwerkskunst sollten es daher nicht versäumen, das Handwerkerfest in Hallerstein zu besuchen und sich vom Engagement dieser eingeschworenen Dorfgemeinschaft begeistern zu lassen. Es lohnt sich!

Seitdem 1986 das erste Handwerkerfest in Hallerstein stattfand, haben die Mitwirkenden so viel erlebt, dass der Heimat- und Kulturverein e.V. darüber inzwischen eine seitenfüllende Chronik verfasste. Diese ist unbedingt lesenswert, denn hier wird aus erster Hand berichtet wie alles begann und was sich rund um das Fest alles ereignete. Näheres dazu finden Sie hier: www.hallerstein.de.

Das Kirchdorf Hallerstein ist ein Ortsteil der Stadt Schwarzenbach / Saale im Landkreis Hof. Das äußere Erscheinungsbild wird überragt vom Schlossberg und der im Kern spätgotischen Kirche. Im Ortskern dominieren ein- und zweigeschossige Wohnstallhäusern mit Krüppelwalmdach, die nach einem verheerenden Brandunglück 1835 in einheitlichem Stil wieder aufgebaut wurden. Fast alle Häuser sind aus Bruchsteinen errichtet. Außerdem wurde Baumaterial vermutlich von der Ruine des Hallersteiner Schlosses verwendet.

Das weitläufige, an den Hang des Schlossberges geschmiegte Dorf mit großen Hofanlagen und geräumigen Scheunen erweist sich als ideale Kulisse für das Handwerkerfest, das in jedem Veranstaltungsjahr unter einem neuen Motto steht. Ideen dazu gehen vom Heimat- und Kulturverein Hallerstein e. V. aus, der eigens zur Vorbereitung des Handwerkerfestes 1987 gegründet wurde. So sammeln die Vereinsmitglieder z.B. historische Gerätschaften, wie eine alte Feuerspritze samt Uniformen, verschiedene Ackergeräte, eine Dreschmaschine, die Ausstattung einer alten Schmiede und vieles mehr, was früher in den bäuerlichen Haushalten ganz selbstverständlich vorhanden war.

Außerdem widmet sich der Verein der Brauchtumspflege und dem Erhalt historischer Gebäude am Ort. Mit Blick auf das Handwerkerfest wurde z.B. das verfallene Burghaus renoviert und zum Heimatmuseum ausgebaut oder eine ehemalige Lagerhalle der Raiffeisenbank in eine Festhalle verwandelt. Neben vielen weiteren Initiativen wurde auch ein historischer Wanderweg in und um den Ort eingerichtet. Auf 19 Schautafeln werden die historischen, kulturellen und botanischen Besonderheiten des Ortes erklärt. Sehenswerte Stationen sind das Burgmuseum, die spätgotische Kirche und der ebenfalls in Eigeninitiative eingerichtete Steinpark “Steinreich Hallerstein”. Hier können Gesteine aus vielen Abbaugebieten des Fichtelgebirges in bearbeitetem – und Urzustand besichtigt werden. In der Steinhauershütte, die auf Wunsch geöffnet wird, befinden sich Werkzeuge aus der großen Ära der Steinbrüche im Fichtelgebirge. Eine Ausstellung mit seltenen Mineralien ist in Vorbereitung.

Man kann also über das vielfältige Engagement und die Begeisterung der Hallersteiner nur staunen. Dabei geht es den Aktiven am Ort nicht einfach nur um Nostalgie, sondern um das Bedürfnis Handwerke und Fertigkeiten lebendig zu erhalten, die früher in fast allen Haushalten beherrscht wurden. So arbeiteten viele Hallersteiner im ausgehenden 19. Jahrhundert in den Steinbrüchen, Steinbearbeitungsbetrieben, Porzellan- und Textilfabriken der umliegenden Städte. Landwirte mit kleinen Hofstellen suchten einen Zuverdienst als Waldarbeiter und Hausschlachter oder gingen als Maurer, Zimmerer, Schuster, Schneider und Schreiner auf die Stör. Auch die Frauen am Ort beherrschten viele Handwerke, wie z.B. die Weißnäherei, die sie häufig in Heimarbeit ausübten.

Viele dieser seit jeher am Ort heimischen Handwerke werden anlässlich des Handwerkerfestes vorgeführt und mit vielen Exponaten dokumentiert. So macht es den Reiz der Veranstaltung aus, dass man hier wirklich miterleben kann, wie handwerkliche Produkte entstehen und welche Kunstfertigkeit hinter den einzelnen Professionen steht.

Kulinarisches:

Auch Kulinarisch werden die Gäste des Hallersteiner Handwerkerfestes aufs Beste verwöhnt. Von Anfang an hatte man sich dazu verständigt, verschiedene Köstlichkeiten und Spezialitäten selbst anzubieten und nicht durch auswärtige Caterer anzuliefern. Dies unterstreicht das besondere Flair des Handwerkerfestes ganz ungemein.

Ob man sich nun einen kleinen Imbiss mit Zwiebelkuchen und Holundersekt, Kaffee und Kuchen, Weißwörscht und Weißbier, oder Schweinsbraten mit Klößen, Kartoffelbackers und Bratwürste gönnt, hier ist alles hausgemacht und am Ort hergestellt worden. 2001 hatte sich Diplombraumeister Herrmann Trautner erstmals für den Burgkeller eine besondere Attraktion ausgedacht: Er kredenzte ein selbst gebrautes, recht starkes Bier, dem er den Namen eines Übeltäters aus der Hallersteiner Geschichte gab – dem Becknhannß, einem Räuber der in der Zeit nach dem 30-jährigen Krieg sein Unwesen trieb und in Münchberg am Galgen endete. Aber ganz unbeschwert von dieser düsteren Geschichte tranken und trinken die Gäste seither das Hallersteiner Festbier mit besonderem Genuss. Kein Wunder, ist es doch tatsächlich etwas ganz Besonderes und wird nur zum Handwerkerfest ausgeschenkt.

Termin:

Das Hallersteiner Handwerkerfest findet alle zwei Jahre am 3. Sonntag im August statt.

Saison:

im August

Links:

http://www.hallerstein.de/

Erlebnis

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