Effeltrich: Fosalecken – ein alter Faschingsbrauch

Landkreis Forchheim

Einer der schönsten Bräuche in der Fränkischen Schweiz führt der Effeltricher Burschenverein “Zufriedenheit” am Faschingssonntag vor: das Treiben der “Fosalecken”. Dazu verkleiden sich einige junge Männer als Strohbären und ziehen am frühen Nachmittag furchteinflößend durch den Ort, wobei sie Treiber nur mühsam bändigen können. Die “Fosalecken” schließlich jagen die Unholde mit Peitschen knallend in ihren bunten Kostümen aus dem Dorf. Dabei handelt es sich um keine Faschingsgaudi, sondern um den wohl ältesten Brauch in der Region.

Der Start ist gegen 13.30 Uhr beim Gasthaus Waldeslust. Eine erste Rast ist an der 1.000 jährigen Linde, wo die Bären die Mädchen am Gehsteig umarmen möchten und von den Treibern nur mühsam zurückgehalten werden. Die „Fosalecken“ tanzen mit den Trachtenmädchen mehrere Runden zwischen Linde und Kirchenburg. Gegen 14.30 Uhr fährt die ganze Gesellschaft weiter nach Baiersdorf, wo das lustige Treiben erneut beginnt. Und dies schon seit vielen Jahren.

Hierzu spielt der Musikverein Effeltrich und die “Fosalecken” tanzen mit den Trachtenmädchen um ein loderndes Feuer, in dem schließlich das Stroh der Bären verbrannt wird. Meistens sind die Burschen darüber recht froh, denn die dicke Strohverkleidung ist beim Laufen hinderlich.

Im Trachtendorf Effeltrich wird nicht nur altes Brauchtum hochgehalten, so z. B. durch den 1885 gegründete Burschenverein “Zufriedenheit”, dem viele junge Männer aus Effeltrich angehören. Neben dem Brauch der Fosalecken ist der Verein auch zu anderen Festen im Ort aktiv wie z. B. beim traditionellen Betzenaustanzen zur Kirchweih.

Der Brauch der Fosalecken und Strohbären in der Hochphase des Faschings geht als Heischebrauch auf sehr alte Wurzeln zurück und wird von den Gegensätzen zwischen den rauen Strohbären und den schmucken Fosalecken gestaltet. Häufig wird dieses Brauchtum als “Winteraustreiben” gedeutet. Denkbar wäre auch ein Bezug zur Pestzeit, in der der Tod durch ein Schauspiel vertrieben wird. Auch eine religiöse Wurzel in Verbindung mit dem Brauchtum um den Sonntag Laetare ist möglich. Leider sind keinerlei Aufzeichnungen überliefert, so dass sich der Sinn des Brauches nicht vollständig erschließen lässt.

Auf den Seiten des “Fränkische Schweiz-Vereins e.V.” unter http://www.fsv-ev.de/heimatkunde/brauchtum/fosalecken-und-winteraustreiben.html ist eine gängige Deutung zu lesen:

“Als Fosalecken verkleiden sich unverheiratete Männer des Effeltricher Burschenvereins “Zufriedenheit“. Sie tragen als Frühlingsboten weiße Kleidung (Hemd und Hose). Breite, bunte, reich gestickte Bänder dienen als Gürtel und Hosenträger, ein ähnliches Band läuft quer über die Brust. Zahlreiche bunte Bänder ohne Stickereien hängen von der Schulter weit über den Rücken herab. Sie vertreten die an Fasnacht noch fehlenden Blumen und Blüten. Das noch fehlende Sommergrün ist im abenteuerlich hohen Kopfputz der Fosalecken reichlich vertreten. Dieser bildet das auffallendste Kleidungsstück der Fosalecken. Um einen Strohhut sind Zweige des immer grünen „Buchs” montiert. Bunte Schürzenbänder von den Mädchen, für diesen Zweck zur Verfügung gestellt, durchziehen den ganzen kunstvollen Aufbau und hängen breitgerafft über die Krempe herab. Eine Peitsche vervollständigt die Ausrüstung.

Der Sinn ihres Auftretens: die Frühlingsboten durchziehen laut mit der Peitsche knallend die Ortschaft. Durch den Lärm vertreiben sie den Winterdämon und wecken somit gleichzeitig die Wachstumsgeister auf dem Felde (Analogiezauber). Im Gegensatz zum Immergrün des Buchsbaumes, wodurch die Sinnbilder des Frühlings und Sommers gekennzeichnet werden, bezeichnet das leergedroschene, unbrauchbare Stroh den Winter, die Unfruchtbarkeit, das Alte, Vergangene und damit den Tod. Die Strohgestalten werden “Strohbäärn” – Strohbären, in das Stroh sind Burschen gehüllt, genannt. Die Effeltricher „Fosaleggen” ziehen von Effeltrich (früher zu Fuß) nach Baiersdorf, um sinnbildlich den Winter hinunter in die Ebene des Regnitztales zu treiben.”

Der Brauch beginnt mit den Vorbereitungen gegen 11 Uhr in Effeltrich. Dort verwandeln sich die jungen Männer langsam in gewaltige Bären und werden geduldig von vielen Helfern in Stroh gewickelt, bis nur noch das Gesicht zu erkennen ist. Dabei ist Geschicklichkeit gefragt und das Stroh darf nicht maschinell geerntet werden, sondern muss mit der Sense geschnitten und das ganze Jahr gelagert werden. Beim gemeinsamen Zug durch Effeltrich brechen die Strohbären immer wieder aus, um Mädchen zu erschrecken. Dann fahren Fosalecken und Bären mit den Effeltricher Trachtenmädchen in einem Bus nach Baiersdorf. Gegen 14.30 Uhr beginnt dort der zweite Umzug durch die Hauptstraße, Judengasse und die Pfarrgasse zum Linsengraben. Der Musikverein Effeltrich spielt und die Fosalecken tanzen mit den “Trachtenmadla” fränkische Tänze um ein loderndes Feuer. Ganz mutige Burschen springen durch die Flammen. Anschließend können es sich die Zuschauer in der Jahnhalle in Baiersdorf bei Musik und Tanz mit der Effeltricher Trachtenkapelle gemütlich machen.

“Fosaleck” oder auch “Fasaleck” und “Fosaleggn” leitet sich wohl vom mitteldeutschen Wort “vaseln” ab, das soviel wie wachsen oder gedeihen bedeutet. Die Effeltricher “Fosalecken” sind nach dieser Deutung die “Faseligen”, die Sinngestalten der beginnenden Fruchtbarkeit im Vorfrühling.

Übrigens hat auch der Name des Effeltricher Fosanochtsvereins “Allamoschee” seine Wurzel im Brauch der Fosalecken. So soll ein in Treiber, der während des Krieges in Frankreich war, die Strohbären mit den Worten “allez Messieurs” durch das Dorf gejagt haben. Einfallsreich wie die Effeltricher sind, entstand daraus schnell der Begriff “Allamoschee”.

Kulinarisches:

Hintergrund des Brauchtums um die Fosalecken könnte also die Vorstellung vom Kreislauf des Naturgeschehens und der Folge der Jahreszeiten sein. So beginnt um die Faschingszeit das Wachstum in der Natur, wenn die Schneedecke zu schmelzen und die Bäche wieder zu fließen beginnen. Die Fosalecken als Frühlingsboten tun ihr Übriges, um den Winter zu vertreiben.

Neben zahlreichen beeindruckenden Bräuchen haben sich rund um Effeltrich auch viele Spezialitäten erhalten, deren Ursprung mit den frohen oder besinnlichen Festen in der Region zusammenhängt. Dies gilt gerade für die Faschingszeit. An diesen Tagen werden natürlich überall knusprige Küchla angeboten, die traditionellen Ausgezogenen, ebenso wie die klassischen fränkischen Faschingskrapfen mit Hiffenmarkfüllung (Hagebutten). Rund um das lustige Treiben kann man sich aber auch an vielen anderen Köstlichkeiten, wie z. B. den (groben) Bratwürsten oder den sauren Zipfeln laben, und natürlich gehört dazu ein Bier aus einer regionalen Brauereien. In den Wirtshäusern stehen häufig die röschen Schäufela mit Kloß und Sauerkraut sowie andere deftige Gerichte auf der Speisekarte, die so richtig Lust machen, sich danach im Freien auszutoben.

Ist die lustige Faschingszeit vorbei, kommen ab Aschermittwoch überall Karpfen auf den Teller. “Blau” oder “sauer” zubereitet, gelten sie seit Jahrhunderten als typische Fastenspeise. Aber auch “gebacken” werden sie gerne gegessen. Für die “blaue” Zubereitung lässt man den Fisch in einem mit Essig oder Wein gewürzten Sud gar ziehen. Als Variante (sauer) kocht man einen großen Karpfen in einer mit einem Soßenkuchen und einem Schuss Essig gewürzten Soße. Dazu werden Klöße serviert. Früher wurde oft ein Karpfen unter einer Großfamilie aufgeteilt und der Hunger mit Klößen und saurer Soße gestillt. Heute bekommt jeder Gast einen halben Fisch auf den Teller. So ändern sich die Zeiten. Aber die Hauptsache ist: schmecken tut’s heute so wie früher! Guten Appetit!

Termin:

Termin: Faschingssonntag
InfoTel.: +49 9133/7792-0 (Verwaltungsgemeinschaft Effeltrich) .

Saison:

im Fasching

Links:

http://www.bv-zufriedenheit.de
http://www.fsv-ev.de/heimatkunde/brauchtum/fosalecken-und-winteraustreiben.html
http://www.effeltrich.de

Literatur:

Robert Kotz, Effeltrich, Gemeinde und Pfarrei, Erlangen 1980 (vergriffen)
Albert Löhr, Sankt Georg – Die Mitte von Effeltrich, Regensburg 2012

Erlebnis

Effeltrich: Fosalecken – ein alter Faschingsbrauch

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