Bayreuth: Zum Beckn Bier in Connys Buschenschänke

Bayreuth

“Heute brau ich, morgen back ich!” Was so märchenhaft beginnt, hat sich schon längst zum Geheimtipp für alle entwickelt, die die gute alte alten Beckn Bier-Tradition die Buschenschänke in Bayreuth kennen lernen wollten. Auf dem Haus der traditionsverbundenen Bäckerei Lang ruhte bereits seit 1790 auch ein Braurecht. Deshalb erinnerte man sich 1995 an den noch vom Großvater Konrad Lang ausgeübten Brauch des Beck’n Biers und ließ nach dessen wieder aufgefundenen Rezepturen in einer befreundeten Brauerei aus dem Bayreuther Umland einen Probesud herstellen. Was dabei herauskam, war so überzeugend, dass es nur noch ein kleiner weiterer Schritt bis zur Eröffnung einer neuen Buschenschänke in einem der schönsten Bayreuther Innenhöfe war.

Im Mai, Juni, September und Oktober werden nun dort das süffige Beck’n Bier sowie ausgesuchte Frankenweine ausgeschenkt. Dazu gibt es jeden Tag ein wechselndes typisch fränkisches oder klassisches Bayreuther Gericht wie Graudsbrod’n oder Zwiebelspotz’n sowie eine ausgewählte Brotzeitkarte. Samstags lebt die Buschenschänke erst richtig auf, bei Live-Musik von Ur-Fränkisch bis Jazz, über Oldies bis Irish Folk. Selbst Opas Grammophon wird wieder zum Leben erweckt.

Also nichts wie hin, zu Connys Buschenschänke!

Kulinarisches:

Dass die Kunst des Backens mit dem Bierbrauen eng verwandt ist, lässt sich nicht von der Hand weisen. Immerhin sind chemischen Prozesse in der Herstellung eines Sauer- oder Hefeteiges und im Ansetzen eines gärenden Getreidesuds relativ ähnlich. Dies belegen auch die berühmten Kasendorfer Bieramphoren aus der Zeit um 800 v. Chr. als erste Hinweise darauf, dass man das Bierbrauen in der Region beherrschte.

Freilich war es von diesen ersten Getreidebieren noch ein langer Weg über das Mälzen des Getreides und das Zuführen von Hopfen, bis sich daraus annähernd der heute vertraute Biergeschmack entwickelte. Im Mittelalter war das Braurecht ein Herrschaftsrecht, das zunächst Klöstern und Adelsherren, dann vor allem aber auch den Stadtbürgern verliehen wurde. Diese brauten zunächst in eigenen Hausbraustätten und ab dem Spätmittelalter aufgrund der Feuersgefahr und zur besseren hygienischen Überwachung in städtischen Kommunbrauhäusern. Nach einem strengen Reglement wurde festgelegt, wann die einzelnen Haus- oder Kommunbrauer brauen und den frischen Gerstensaft ausschenken durften. Viele nutzten den Termin und luden zu verschiedenen (kalten) Speisen in eigene Trinkstuben oder hergerichtete Höfe ein. Wer den Ausschank hatte, tat dies durch ein Zeichen, wie einen grünen Buschen, einen Besen mit bunten Bänder oder ein Bündel aufgeblasener Schweinsblasen kund. Deshalb heißen diese Schenkstätten auch Buschen-, Besen- oder Straußenschenken.

Die Bäcker taten sich unter den Haus- und Kommunbrauern besonders hervor, denn sie kannten den Weg zu den Kommunbrauhäusern sehr gut, da sie ihre Hefe bis zum Ende des 19. Jahrhunderts stets dort holen mussten. Erst einmal besaßen sie vermutlich schon viele Gerätschaften und chemische Kenntnisse, die zum Bierbrauen notwendig sind. Zum anderen stellten sie ohnehin Backwaren her, die zum Bier besonders gut schmecken. So stehen bis heute in vielen Braugaststätten ein paar rösche Brezeln, Salzstangen und andere Backwaren auf den Tischen. In Bayreuth isst man übrigens – allerdings erst in der herbstlich-winterlichen Jahreszeit – gerne die traditionellen Anisbrezeln. In einer Bayreuther Kommunbrauordnung von 1623 werden unter 83 Brauberechtigten immerhin 12 Bäcker erwähnt. 1850 verzeichnet die städtische Gewerbestatistik die Zahl von 54 Bäckern, die auch zeitweilig Bier brauten. Im 20. Jahrhundert ging die Zahl dann aber stetig zurück, bis 1861 nur noch Fritz Götschel in St. Georgen beide Professionen ausübte.

Dies wollte man in der Bäckerei Lang nicht auf sich beruhen lassen. Da man hier Brauchtum und alte Handwerkskunst schätzt und pflegt, entschloss man sich, das Becknbrauwesen in der eigenen Buschenschänke wieder aufleben zu lassen. Und wer das würzige Beckn-Bier nach dem originalen Rezept des Großvaters Konrad Lang einmal probiert hat, wird diesen Schritt gutheißen. Seither gibt’s also über insgesamt vier Wochen im Jahr das süffige Beckn-Bier in Connys Buschenschänke. Die Termine dazu und die jeweiligen Tagesgerichte werden auf der Homepage der Bäckerei unter http://www.baeckerei-Lang.de/main/buschen.html bekannt gegeben.

Saison:

im Sommer

Links:

http://www.baeckerei-lang.de/

Erlebnis

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