Bamberg: Von Fischpass bis Fischerstechen – Flusserlebnis

Bamberg

Die Regnitz war und ist eine der Lebensadern Bambergs. Versteht man dies heute eher im ökologischen Sinn, war der Fluss über Jahrhunderte auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, der Mühlen und andere Maschinen antrieb, Güter bewegte und die Bevölkerung mit dem begehrten Lebensmittel Fisch versorgte. An diese einstigen Bedeutungen und die heutigen vielfältigen Verbindungen zu Kultur, Ökologie und Ökonomie erinnerte die Ausstellung “Im Fluss der Geschichte. Bambergs Lebensader Regnitz” im Historischen Museum Bamberg. Der Verein “Flussparadies Franken” hat dazu in Zusammenarbeit mit der Stadt Bamberg und weiteren Akteuren und Sponsoren einen Flusspfad durch Bamberg ausgewiesen und mit 23 Informationstafeln versehen.

Darüber hinaus gibt es von den beiden Fischpässen im neu angelegten ERBA-Park und im Bürgerpark Hain bis zum historischen Fischerstechen während der Bamberger Sandkerwa rund um das Thema Fluss und Fischerei in Bamberg noch vieles mehr zu erleben.

Lange bevor Ackerbau und Viehzucht betrieben wurde, haben Menschen auch in unseren Regionen gefischt. An vielen Stellen entlang der Flüsse existierten deshalb Fischersiedlungen deutlich vor den späteren Ortsgründungen und sind häufig noch heute in den Ortsgrundrissen erkennbar.

Auch in Bamberg hatte die Flussfischerei seit jeher eine hervorgehobene Bedeutung. Die Bamberger Fischerzunft wurde möglicherweise bereits um 1280 aus dem Zusammenschluss von Berufsfischern und Schiffern an Regnitz und Main begründet und gehört damit zu den ältesten Handwerkszünften in der Stadt. Die Fischerfamilien leben und lebten in typischen Fischerhäusern zunächst im Bamberger Sandgebiet. Seit Ende des 14. Jahrhunderts wurden auch auf dem gegenüberliegenden, rechten Flussufer, dem sogenannten “Klein Venedig” typische Fischerhäuser errichtet. Was sich heute romantisch-malerisch ausnimmt, sind im eigentlichen Sinn zweckmäßige Fischeranwesen, die in vielen Details nach den Notwendigkeiten des mit dem Wasser lebenden Berufsstandes angelegt wurden. Im 18. Jahrhundert blühte die Flussfischerei und mit ihr auch das Transportschiffergewerbe, dessen Wirkungsbereich bis zur Mainmetropole Mainz reichte. In diese Zeit wirtschaftlicher Blüte fällt auch der Ankauf des heutigen Zunfthauses mit Prunkstube in der Kapuzinerstraße 5. Dort wird eine große Zahl prachtvoller Zunftgeräte, Prozessionsstangen, Heiligenfiguren wie eine wertvolle Petrusstatue, Fahnen, Trinkgefäße und vieles mehr aufbewahrt, was das Leben der Fischer in der Stadt dokumentiert. Zu den Ehrenpflichten der Fischer gehört die Mitwirkung anlässlich der Fronleichnamsprozession jeweils zehn Tage nach Pfingsten.

Einer der bekanntesten Fischerbräuchen ist das traditionelle “Fischerstechen” auf dem Höhepunkt der alljährlichen Sandkerwa im August. Das Stechen diente bereits im 15. Jahrhundert der Belustigung des Fürstbischofs und der Bevölkerung. Dabei versuchen die auf der Spitze ihrer Schelche stehenden “Kämpfer” sich gegenseitig mit langen Stangen ins Wasser zu stoßen. Gewonnen hat, wer trocken bleibt. Ein weiteres Fischerstechen wird zur Kirchweih Ende August / Anfang September von den Bischberger Fischern veranstaltet.

Die Geschichte der Flussfischerei bezeugt den ehemaligen Fischreichtum entlang von Regnitz und Main, der für viele Menschen, insbesondere während der langen Fastenwochen, ein wichtiges Grundnahrungsmittel darstellte. So konnte man es sich leisten, kleine Weißfische, die nicht länger sein sollten als der Finger des Heiligen Kilian auf der Würzburger Mainbrücke, in Mengen zu fangen und in Backteig auszubacken. Diese “Maafischla” oder “Meefischli” waren und sind auch heute noch ein beliebtes Kerwa-Essen, denn seit einige Jahren veranstalten z.B. die Kemmerner oder Bischberger Mainfischer jährliche Fischkirchweihen, zu denen die alten Spezialitäten wieder angeboten werden.

In den letzten Jahrzehnten ging allerdings der Artenreichtum der Weißfische an Regnitz und Main deutlich zurück. Ursache hierfür sind u.a. wasserbautechnische Veränderungen, wie der Ausbau des Rhein-Main-Donau-Kanals, dessen Schleusen für wandernde Fische ein oft unüberwindbares Hindernis darstellen. Aber auch das Eindringen ursprünglich bei uns nicht heimischer Arten, wie der Grundeln, die vermutlich über das Ballastwasser von Frachtschiffen aus der Schwarzmeerregion in fränkische Gewässer einwandern konnten, bedroht die Weißfische in ihrem Bestand. Denn einige Grundelarten fressen den Laich und die Fischbrut der heimischen Fischarten und dezimieren deren Bestände damit deutlich.

Um den Erhalt der Artenvielfalt vor allem in der Regnitz zu unterstützen wurde in der Vorbereitung der Landesgartenschau in Bamberg im Jahr 2011 auf dem Gelände der ehemaligen ERBA-Spinnerei zur Umgehung des alten ERBA-Kraftwerks ein erster Fischpass angelegt, der es Fischen und anderen Wasserlebewesen ermöglicht, das Stauwehr zu umschwimmen. Der Fischpass ist inzwischen die Lebensader und das “Rückgrat” des Parks auf dem Gartenschaugelände. Er hat sowohl wichtige gewässerökologische Funktionen als auch die Aufgabe, den Erlebnis- und Freizeitwert des Parks zu erhöhen. Für die Natur ist der Fischpass zu einer echten Biotopachse geworden. Eisvogel, Wasseramsel und Biber wurden gesichtet und inzwischen bis zu 18 Fischarten nachgewiesen. An den Rändern und im seichten Wasser blühen zahlreiche wasserliebenden Blumen, von der gelben Wasserlilie bis zum dunkelvioletten Blutweiderich. Ein zweiter Fischpass wurde am Abzweig des Hollergrabens im Hain angelegt, so dass Fische und Wasserlebewesen nun wieder ungehindert über ein langen Abschnitt der Regnitz passieren können.

Kulinarisches:

Zu den besonderen Spezialitäten an Regnitz und Main gehören die Weißfische, die früher zahlreich und damit auch für einfache Leute erschwinglicher waren, als die teuren Edelfische. Die Bezeichnung als “Maafischla” oder “Meefischli”, die in Ober- und Unterfranken noch heute als Synonym für die verschiedenen essbaren Arten der Weißfische gebräuchlich ist, legt diese Bedeutung nahe.

Da der Artenreichtum der Weißfische in den letzten Jahrzehnten jedoch deutlich zurück ging, ist das Angebot inzwischen selten. Man erhält sie frisch gefangen als sog. Backfische z.B. bei der Fischerfamilie Kropf in Bamberg (Kapuzinerstraße 5) oder bei den Bischberger Fischern. Dort werden sie auch in schwimmendem Fett frittiert zur Kerwa angeboten.

Das Bamberger Land hat auch eine lange Tradition in der Teichfischzucht. Da Fisch insgesamt eine der wichtigsten Fastenspeisen war, gehen viele der heute noch bestehende Fischteichanlagen in der Region auf die Zeit der frühen Klöster, namentlich der Zisterzienser zurück. Schon im Mittelalter gab es in Bamberg einen extra ausgewiesenen Fischmarkt, auf dem vor Fasttagen oder in den jeweiligen Fastenwochen des Jahres Fische angeboten wurden. Wer es sich leisten konnte, bevorzugte den teuren Süßwasserfisch. Für die einfachere Bevölkerung stand dagegen eingesalzener, in Tonnen als Beifracht transportierter Hering oder der noch preiswertere norwegische Stockfisch an Fasttagen auf dem Speisezettel.

Als ein besonderes Beispiel städtischer Wirtschaftsgeschichte und Daseinsvorsorge hat sich in Bamberg die “Ratsherrliche Fischwinterung” erhalten. In der Nähe der heutigen Villa Concordia am linken Regnitzarm wurde für die Versorgung der Ratstafel mit Karpfen während der winterlichen Jahreszeit ein Teichsystem angelegt, das durch den nahen Fluss mit Frischwasser versorgt und eisfrei gehalten wurde. Auch die rund um Bamberg und im Coburger Land erhaltenen Seehöfe – die ursprünglichen Amtssitze der Fisch- und Seemeister, die sich wie im Falle des Schlosses Seehof bei Memmelsdorf mit der Zeit zu prachtvollen Schlossanlagen entwickeln konnten – sind herausragende Kulturzeugnisse der langen Geschichte der Teichfischzucht in Oberfranken.

Termin:

Die Bamberger Sandkerwa findet um das dritte Wochenende im August statt, die Bischberger Kirchweih folgt Ende August / Anfang September.

Saison:

ganzjährig

Links:

http://flussparadies-franken.de/regnitzinbamberg/flusspfad.html
http://www.wwa-kc.bayern.de/fluesse_seen/massnahmen/fischpass_erba/
http://www.sandkerwa.de/startseite/
http://www.bischberg.de/texte/seite.php?id=32454

Erlebnis

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